Elektromobilität

Strom tanken während der Fahrt

Braunschweig. Umweltfreundlich, leise und ein echter Hingucker. Am Braunschweiger Bahnhof hält seit Dezember ein besonderer Elektrobus.

Die Batterie des 18 Meter langen Fahrzeugs lädt sich berührungslos per Induktion auf. Sobald das orange-weiße Gefährt über stromführenden Magnetspulen steht, die im Asphaltboden eingelassen sind, kann das Nachladen beginnen. Nach diesem Prinzip werden auch elektrische Zahnbürsten aufgeladen.

Die Anlage dafür hat der kanadische Bahntechnik-Konzern Bombardier entwickelt. Vorteil: kein Stecker, keine lästigen Kabel.

Nachteil: Langer Ladevorgang. Voll aufladen kann der Bus deshalb nur über Nacht im Depot. Um Zeit zu sparen, tüftelt Bombardier im Verbund mit anderen Unternehmen an einer neuen Technik, dem Aufladen während der Fahrt.

Dabei könnten Geogitter aus der Textil-Industrie hilfreich sein. Diese Geflechte stabilisieren heute schon Dämme oder Böschungen an Bahn- und Autobahntrassen. „In Zukunft könnten sie als textile Trägerkonstruktionen für die stromführenden Induktionsschleifen dienen, eingebaut unter der Deckschicht der Straße“, so Professor Markus Öser, Direktor des Instituts für Straßenwesen an der RWTH in Aachen.

Lange Ladezeiten fallen weg, schwere Akkus werden unnötig

Strom tanken während der Fahrt sei ein ganz großes Thema, versichert Öser. Im belgischen Lommel etwa lässt das flämische Forschungszentrum Flanders Drive seit gut zwei Jahren auf einer mit Induktionsschleifen versehenen Teststrecke Elektromobile während der Fahrt aufladen. Zwar stecken noch keine Geogitter in der Strecke, aber die Technik funktioniert.

Straßen mit dieser Technik auszurüsten, kostet nach Schätzungen der Universität Erlangen rund 2 Millionen Euro – pro Kilometer. Dafür aber ist kein schwerer Auto-Akku mehr nötig. Der neue Elektro BMW i3 wäre zum Beispiel 230 Kilo leichter. Und die nervige Aufladezeit von maximal 8 Stunden würde auch entfallen.


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