Energie

Streit um den Strom


Experten warnen: Es fehlen 15 große Kraftwerke

Berlin. In Deutschlands Stromversorgung droht eine gewaltige Lücke. Sieben geplante Kohlekraftwerke haben die Energiekonzerne seit Anfang 2009 gestoppt. Gründe: Die Proteste von Anwohnern werden immer stärker. Und der Betrieb der Anlagen wird immer teurer.

Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur, die im Auftrag der Bundesregierung die Stromwirtschaft analysiert: „Selbst wenn der Verbrauch nicht steigt, werden in zehn Jahren 15 konventionelle Kraftwerke fehlen. Nur sie können rund um die Uhr Versorgungssicherheit gewährleisten.“

Unsicherheit bei Genehmigungen

Angesichts der Vorlaufzeit für solche Großprojekte hätte man sie längst anschieben müssen. Doch nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen, bei der die schwarz-gelbe Mehrheit im Bundesrat verloren ging, stehen die Zeichen weiter auf Rückzug. Thomas Bareiß, energiepolitischer Koordinator der Unionsfraktion im Bundestag: „Die Kraftwerk­betreiber sorgen sich um ihre künftigen Rahmenbedingungen.“

ur Unsicherheit bei der Genehmigung kommt das Problem der Wirtschaftlichkeit. „Ein Kohlekraftwerk ist 5200 Stunden im Jahr ausgelastet“, sagt Kohler, „im Jahr 2020 werden es nur 3.900 Stunden sein.“ Das liege am steigenden Anteil erneuerbarer Energien: Wenn der Wind weht oder die Sonne scheint, wird der Öko-Strom  vorrangig ins Netz gespeist. Doch er steht nicht immer zur Verfügung.

Kann man nicht mehr Strom importieren? „Sich aufs Ausland zu verlassen, ist problematisch“, warnt Kohler und nennt ein Beispiel: „Frankreich ist für Deutschland ein wichtiger Energie-Lieferant – aber im vergangenen, extrem kalten Winter haben die Franzosen gar nicht mehr geliefert. Weil es dort so viele Stromheizungen gibt, mussten sie sogar Strom zukaufen.“

Im Herbst will die Regierung in einem „Energiekonzept“ Klarheit schaffen. Fachpolitiker Bareiß: „Auf Kohle können wir in den nächsten 20 Jahren nicht verzichten.“

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