Tipp der Woche

Streit-Schlichtung: Gut, dass wir darüber geredet haben!

Professionelle Vermittlung spart Geld, Zeit und Nerven

Sie wissen genau: Sie haben recht. Schön für Sie! Dann gewinnen Sie ja wohl den Prozess, auch in der zweiten Instanz, nach ein paar Jahren. Aber ob Sie sich dann noch darüber freuen können? Was ist Ihnen Ihre Zeit wert, was Ihre Nerven? Und was, wenn Sie dem Prozessgegner immer wieder über den Weg laufen, weil es ein Nachbar ist?

Wegen solcher Bedenken sollten Sie aber nicht bei jedem Streit klein beigeben. Zumal es eine neue Methode gibt, Zwistigkeiten zu regeln – und dabei Geld, Zeit und Nerven zu sparen: die Mediation.

Die Mediation ist sehr oft erfolgreich

Das Wort ist aus dem Lateinischen abgeleitet und steht für Vermittlung durch einen, der „in der Mitte steht“, also einen neutralen Schlichter. Das Verfahren kann eigentlich immer angewandt werden. Voraussetzung: Die Kontrahenten müssen dazu bereit sein.

„Es gibt keinen ungeeigneten Fall“, erklärt Karl-Heinz Matthies, Vorsitzender Richter am Landgericht Göttingen. Dort wird seit Jahren auf die Mediation gesetzt. „In mehr als 85 Prozent der bisher rund 1.800 Fälle kam es zu einer Einigung der Konfliktparteien“, betont Matthies. Und das sind alles Fälle, die schon vor Gericht gelandet waren. Besonders häufig: „Erbsachen, Nachbarschaftsstreitigkeiten, Bausachen, Mietsachen“, sagt der Richter.

Aber für eine Schlichtung  muss man sich nicht erst vor Gericht treffen: Professionelle Mediatoren bieten Ihre Dienste inzwischen für fast jedes Spe-zialgebiet an. Das Ziel: Der Streitfall soll privat geregelt werden – es gilt, einen Kompromiss zu finden, mit dem alle auf   Dauer gut leben können. Diese Einigung wird unterschrieben (und gegebenenfalls notariell beurkundet).

Scheitert die Schlichtung, bleibt immer noch der Gang zum  Anwalt. Der arbeitet übrigens auch schon oft als Mediator, wofür laut Berufsordnung eine „geeignete“ Zusatzausbildung nötig ist.

Rathaus gibt Auskunft über Schiedsleute

Noch ist diese Ausbildung nicht klar geregelt, die Schlichter-Szene ist leider recht un-übersichtlich. Das „Deutsche Forum für Mediation“ leitet aber online zum halben Dutzend der wichtigen Verbände weiter (www.bafm-mediation.de).

Eine günstigere Konkurrenz haben die Freiberufler oft von Amts wegen: In zwölf Bundesländern gibt es ehrenamtliche Schiedsleute. Deren Rufnummern kann man im Rathaus erfragen (www.bdsev.de).

Und wer eine Rechtsschutzversicherung hat, sollte im Streitfall ins Kleingedruckte gucken: „Die Versicherungen reagieren auf den Vormarsch der Mediation – viele übernehmen schon heute die Kosten“, heißt es beim NRW-Justizministerium.


Spezialisten: Die Ombudsleute

Banken, Verkehrsbetriebe, Online-Händler und so fort: Viele Verbände und Firmen wollen vermeiden, im Streit mit Kunden vor Gericht zu landen. Sie bieten daher professionelle Schlichter auf, die unabhängig arbeiten. Sie sind unter „Ombudsmann“ oder  „Schlichtungsstelle“ zu erreichen. Diese Experten arbeiten  meist kostenlos – und oft für die Kunden erfolgreich.

Eine Übersicht bietet die Bundeszentrale der Verbraucherverbände: Den Ratgeber „Beschweren – aber richtig“ gibt es gratis im Internet (zu finden über die „Suche“ auf www.vzbv.de).

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Schlagwörter: Gesellschaft

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