Mehr Netto vom Brutto!

Steuern: Wie Ehepaare das „Faktorverfahren“ nutzen können

Foto: fotolia

Verdient ein Ehepartner weniger als der andere, ist der Blick auf die Gehaltsabrechnung oft schockierend: Bei der Steuerklassenkombination III/V bleibt bei dem Partner mit der Klasse V nämlich kaum noch etwas übrig. „Weil diese hohen Abzüge Frauen möglicherweise von einer Berufstätigkeit abschrecken, ist das ,Faktorverfahren‘ entwickelt worden“, sagt Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband in Berlin, selbst Steuerberater und Anwalt.

Korrektere Besteuerung

Der Gesetzgeber unterstellt bei der Kombination III/V, dass der Partner mit Steuerklasse III rund 60 Prozent des gemeinsamen Einkommens verdient, der Ehegatte mit Klasse V dagegen rund 40 Prozent. Verteilt sich das Einkommen in Wirklichkeit anders auf die beiden Partner, werden von den jeweiligen Arbeitgebern entweder zu viel oder zu wenig Steuern abgeführt. Daher muss man bei dieser Kombination immer eine Steuererklärung abgeben, dann folgt entweder eine schöne Steuererstattung oder aber eine dicke Nachzahlung. Das noch recht neue Faktorverfahren soll genau das verhindern – und dafür sorgen, dass schon im laufenden Jahr die weitgehend korrekten Steuern bezahlt werden.

Die Sache funktioniert so: Das Paar wählt statt der Steuerklassenkombination III/V die Kombination IV/IV (die normalerweise für Paare gedacht ist, bei denen beide Partner etwa gleich viel verdienen). Zugleich beantragt das Paar beim Finanzamt formlos das Faktorverfahren. „Das Finanzamt berechnet dann den Faktor, mit dem die Steuerzahlung für beide Partner angepasst wird“, erklärt Deutsch.

Keine Nachzahlung, keine Erstattung

Dazu ein Beispiel: Wenn ein Mann im Jahr 35.000 Euro brutto verdient und seine Frau 15.000 Euro, zahlt er bei der klassischen Kombination III/V nur 2.626 Euro Steuern und sie stolze 2.172 Euro – obwohl sie weniger als die Hälfte verdient! Außerdem wird noch eine Nachzahlung von 784 Euro fällig. Wählen die beiden aber die Kombination IV/IV, zahlt er 5.378 Euro Steuern, sie nur noch 592 Euro; der Lohnsteuerjahresausgleich bringt dann eine Erstattung von 388 Euro. Durch das Faktorverfahren wird genau diese Überzahlung verhindert. In unserem Beispiel beträgt der Faktor 0,935. Damit zahlt er dann 5.028 Euro Steuern, sie 553 Euro – und insgesamt legen beide eine steuerliche Punktladung hin.

Pro Monat hätte der Mann also durch das Faktorverfahren rund 29 Euro netto mehr auf dem Konto, sie gut drei Euro – Geld, das sonst erst nach dem Jahresausgleich fließen würde. Steuern sparen kann man durch die Sache mit dem Faktor allerdings nicht, wie Deutsch betont: „Auf das ganze Jahr bezogen zahlen gemeinsam veranlagte Ehepaare natürlich bei jeder Steuerklassenkombination gleich viel Steuern.“

Wie sich das Faktorverfahren auf Ihr eigenes Netto-Einkommen würde, können Sie schnell und einfach mit dem Internet-Steuerrechner des Bundesfinanzministeriums ausrechnen – unter:
www.bmf-steuerrechner.de


Mehr zum Thema:

Zwei Dinge sind sicher im Leben, weiß der Volksmund – der Tod und die Steuern … Und sicher ist damit auch, dass AKTIV immer wieder Tipps zu Steuerthemen gibt. Wichtige Artikel finden Sie hier.

aktualisiert am 29.09.2017

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang