Unternehmer

„Steuern hinterziehen ist kriminell“


Was ein Mittelständler zur Liechtenstein-Affäre sagt

Braunschweig/Berlin. Die Braunschweigische Maschinenbauanstalt AG ist ein typischer Mittelständler. 380 Mitarbeiter fertigen in Braunschweig Anlagen für die Zuckerindustrie in aller Welt. Vorstand Rolf Mayer (55) sucht regelmäßig den Kontakt zu seinen Facharbeitern: Ein kurzes Gespräch mit Zerspaner Imed Sahli, anschließend erkundigt er sich bei Michael Thierbach und Dirk Schart in der Zentrifugenfertigung nach dem Stand der Dinge.

Auch hier liest man dieser Tage von der Liechtenstein-Affäre, von Konten, auf denen Reiche Geld vor dem Fiskus versteckten. „Steuerhinterziehung ist kriminell“, sagt Mayer. „Sie muss mit aller Härte des Gesetzes verfolgt werden.“

Er distanziert sich aufs Schärfste von solchem Verhalten  –  und stößt ins gleiche Horn wie Jürgen Thumann, der Chef des Industrieverbands BDI in Berlin: „Ich bin wütend“, kommentierte dieser die Enthüllungen der Steuerfahndung, „weil hier durch krasses Fehlverhalten einiger die ganze Gruppe der Manager und Unternehmer in Misskredit gerät.“

„Fehlverhalten Einzelner“

Mayer stellt aber auch klar: Die Rede von der „abgehobenen Wirtschaftselite“ ist überzogen. „Es handelt sich nicht um ein systematisches Vergehen, sondern um das Fehlverhalten Einzelner.“ Ihr da unten, wir hier oben? Eine solche Einstellung ist ihm zuwider. „Ich suche den Schulterschluss mit unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen.“

Immerhin: Wer wie Mayer offensiv gegen neue Zerrbilder angeht, kann sich auf harte Zahlen stützen. Im vergangenen Jahr zahlten die 5 Prozent Bestverdiener 40 Prozent der gesamten Einkommensteuer, rechnete soeben das Finanzministerium vor. Und die Steuerdaten für die 450 Bundesbürger mit dem allerhöchsten Einkommen, wenn auch anonymisiert und mit fünf Jahren Zeitverzug, konnte jetzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin auswerten. Dessen Fazit lautet: „Die Wirtschaftselite zahlte pro Kopf fast 8 Millionen Euro Steuern.“ Ihr Steuersatz lag fast dreimal so hoch wie im Schnitt der Gesamtbevölkerung.

Dabei ist schon die Annahme abwegig, alle Unternehmer seien Vielverdiener. Selbst im aktuellen Boom schreiben im größten Industriezweig Metall und Elektro 15 Prozent der Firmen, mit 315.000 Mitarbeitern, rote Zahlen oder kratzen an der Null-Linie, ermittelte das Münchner Ifo-Institut.

100 neue Arbeitsplätze

Was das heißt, weiß man auch bei der Braunschweigischen Maschinenbauanstalt. Heute sind die Auftragsbücher voll – doch in den 90er-Jahren und bis 2002 galt es, eine schwere Krise zu überstehen. Nicht nur die Nachfrage in der ehemaligen Sowjetunion ging drastisch zurück. Mayer glaubte damals an das Know-how der Mitarbeiter und die Chance der Produkte. Deshalb kaufte er das Unternehmen – und ging dabei auch ein persönliches Risiko ein.

„Gemeinsam mit der Belegschaft haben wir die Krise überstanden“, sagt Mayer. Das verdiente Geld ist ins Unternehmen geflossen. Seit 2003 entstanden neue Tochterfirmen im In- und Ausland. Und in Deutschland mehr als 100 neue Arbeitsplätze.

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