Der Staat hortet seine Einnahmen so gierig wie der Adler seine Beute

Steuern auf Rekordhoch: Wann kommt die große Entlastung?

Berlin. Der Staat krallt sich immer mehr Geld: 667 Milliarden Euro Steuern nimmt er dieses Jahr ein – dank wachsender Beschäftigung und stabiler Wirtschaftslage mehr als je zuvor. Vor vier Jahren waren es noch 573 Milliarden. Und in noch einmal vier Jahren, das sagte jetzt der „Arbeitskreis Steuerschätzung“ des Finanzministeriums voraus, dürften es schon 769 Milliarden sein.

Und der Staatshaushalt macht inzwischen einen Überschuss. Deshalb will uns der Fiskus jetzt etwas von seiner Beute zurückgeben. Allerdings nur einen kleinen Happen!

Bisher ist nur eine Mini-Entlastung in Sicht

Um gerade mal 1,5 Milliarden Euro soll nächstes Jahr die Einkommensteuer sinken: Der Tarif soll um die Mini-Inflation von 2014 und 2015 nach unten korrigiert werden. „Das ist nicht viel, aber es geht ums Prinzip“, sagt Finanzminister Wolfgang Schäuble. Mit der Anpassung, die künftig alle zwei Jahre erfolgen soll, wird die seit Jahren beklagte „kalte Progression“ abgeschafft. Sie führt bisher dazu, dass der individuelle Steuersatz im Laufe der Jahre auch dann steigt, wenn ein Einkommens-Plus komplett durch steigende Preise aufgefressen wird.

Einem Single mit 40.000 Euro zu versteuerndem Einkommen bringt das ab Januar exakt 4,83 Euro im Monat, hat der Bund der Steuerzahler ausgerechnet. „Das kann nur der Anfang sein“, sagt dessen Präsident Reiner Holznagel. Er fordert deshalb den großen Wurf.

„Wer die Steuerzahler wirklich entlasten will“, so Holznagel, „muss den Solidaritätszuschlag früher und schneller abbauen.“ Der 1991 erstmals eingeführte Zuschlag auf die Steuerschuld kostet unseren Beispiel-Single immerhin 40,42 Euro im Monat. Außerdem fordert er, den sogenannten Mittelstandsbauch im Steuertarif zu beseitigen, „damit vor allem kleinere und mittlere Einkommen entlastet werden“. Das brächte laut Modellrechnung für sich betrachtet 83,50 Euro im Monat.

Dass es an der Zeit ist, das Geld wieder rauszurücken, hatten kürzlich auch acht Wirtschaftsforschungsinstitute festgestellt. In ihrem Frühjahrsgutachten für die Bundesregierung heißt es: „Einen besseren Zeitpunkt für eine umfassende Tarifreform wird es wohl nicht geben.“


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Zwei Dinge sind sicher im Leben, weiß der Volksmund – der Tod und die Steuern … Und sicher ist damit auch, dass AKTIV immer wieder Tipps zu Steuerthemen gibt. Wichtige Artikel finden Sie hier.

aktualisiert am 29.09.2017

Eine große Einkommensteuerreform – so was hat's bei uns seit 16 Jahren nicht mehr gegeben. Aber jetzt ist das in Berlin endlich wieder Thema: Weil nächstes Jahr Bundestagswahl ist. Und weil wir es uns leisten können!

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