Innovationen stärker voranbringen: Österreich macht es uns vor

„Steuerliche Forschungsförderung“ – was steckt hinter diesem Wunsch der Wirtschaft?

Köln/Wien. Raten Sie mal: In welchem Bereich behandelt unser Steuerrecht die Wirtschaft ziemlich mies? Verblüffende Antwort: ausgerechnet, wenn es um Innovationen geht!

Und das ist gefährlich. Forschung und Entwicklung (F & E) zählen zu den wichtigsten Treibern für unternehmerischen Erfolg, wie Oliver Koppel vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erklärt. „Umso unverständlicher, dass es in Deutschland noch immer keine steuerliche Forschungsförderung gibt“, kritisiert der Experte, „das ist ein Nachteil im internationalen Standort-Wettbewerb.“

Denn in den meisten anderen Industriestaaten gibt es eine solche Förderung längst. Dort wirkt sich also 1 Euro, den eine Firma in F & E steckt, steuerlich günstiger aus als 1 Euro, der für andere betriebliche Zwecke ausgegeben wird. Die Modelle sind je nach Staat verschieden – wie es gut funktionieren kann, zeigt das Beispiel Österreich.

Das Nachbarland hat vor mehr als zehn Jahren eine „Forschungsprämie“ eingeführt und die Förderquote inzwischen mehrfach erhöht. Seit Anfang 2016 bedeutet das: Knapp ein Achtel (12 Prozent) sämtlicher F & E-Ausgaben übernimmt nachträglich der Staat! Das gilt für Weltkonzerne wie für Start-ups gleichermaßen. Die Prämie mindert die Steuern auf den Gewinn; macht eine Firma Miese, wird sie ausgezahlt. „Es ist ein flächendeckender Vorteil für sämtliche forschenden Unternehmen“, bestätigt Rudolf Lichtmannegger von der Wirtschaftskammer Österreich, „das war bewusst so geplant und wird von allen unseren Sozialpartnern mitgetragen. Weil unumstritten ist, dass Innovation hilft, den Wohlstand zu verbessern – und unsere Industrie wird immer forschungsintensiver.“




Rund eine halbe Milliarde Euro Steuergeld gibt Österreich pro Jahr für die Forschungsprämie aus, so Lichtmannegger, „Tendenz: steigend“. Nicht nur, aber auch deswegen ist dort der Anteil der Forschungsausgaben insgesamt am Bruttoinlandsprodukt seit 2000 deutlich gestiegen (von damals rund 1,9 auf zuletzt 3 Prozent). Und die betrieblichen F & E-Ausgaben haben sich deutlich besser entwickelt als bei uns.

„Was wir da in Österreich beobachten können, ist sensationell“, urteilt IW-Ökonom Koppel, „das sollten wir uns zum Vorbild nehmen.“

Und was würde so was kosten? 5 Milliarden Euro pro Jahr sollte Deutschland da ruhig in die Hand nehmen, empfiehlt Koppel: „Das wäre sinnvoll und zukunftsträchtig ausgegebenes Steuergeld.“

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