Koloss sucht Anschluss

Steinkohlekraftwerk Hamburg-Moorburg: 3 Milliarden Euro in den Sand gesetzt?

Hamburg. Rückschlag für ein Mega-Projekt: Der Energieriese Vattenfall musste den kommerziellen Start seines Steinkohlekraftwerks Moorburg im Süden Hamburgs erneut verschieben. Begründet wurde dies mit der Notwendigkeit „technischer Optimierungen“.

Dabei sollte Block B der Anlage, der seit einem Jahr im Probebetrieb läuft, Ende 2014 ans Netz gehen. Block A sollte in diesem Juni folgen. Zusammen können sie 1.640 Megawatt liefern – 90 Prozent von Hamburgs Strombedarf.

So weit der Plan. Ob er tatsächlich umgesetzt werden kann, scheint fraglich. Seit Beginn der Bauarbeiten im Jahr 2007 ist einiges passiert: In Berlin rief Kanzlerin Merkel die Energiewende aus. In Stockholm, Sitz des Staatskonzerns Vattenfall, beschloss Schwedens Regierung den Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Rohstoffe. Und in Hamburg löste die SPD unter Olaf Scholz die CDU-geführte Regierung ab, die Moorburg anfangs ausdrücklich begrüßt hatte.

Aber nicht nur an der Elbe hadert man mit neuen Kraftwerken. Im westfälischen Datteln gibt es seit Jahren Zank um ein Steinkohlekraftwerk, das von Eon gebaut wird und schon 2011 ans Netz gehen sollte. Es gab Prozesse und Streit um den Bebauungsplan. Inzwischen arbeitet der Konzern an Strategien, um aus dem Geschäft mit konventioneller Energie auszusteigen.

In Hamburg hängt nun viel von der Bürgerschaftswahl Mitte Februar ab. Die meisten Beobachter erwarten Rot-Grün. Kein günstiges Umfeld für ein Kohlekraftwerk. Der jetzige Wirtschaftssenator Frank Horch sagt: „Wir würden Moorburg jetzt nicht mehr bauen.“ Vattenfall-Sprecherin Karen Kristina Hillmer formuliert es gegenüber AKTIV ähnlich: „Wären die aktuellen Rahmenbedingungen damals absehbar gewesen, hätten wir anders geplant.“

Dennoch geht sie davon aus, dass die zwei Blöcke des Kraftwerks in den kommenden Monaten ihren Regelbetrieb aufnehmen und Vattenfall „die Anlage wirtschaftlich betreiben kann“. Ein Drittel der Baukosten von rund 3 Milliarden Euro hat der Konzern bereits abgeschrieben. Auch weil Umweltschützer das Projekt juristisch bekämpfen.

Trotz all dieser Querelen liegt der Anteil der Steinkohle an der deutschen Stromerzeugung seit Jahren stabil bei rund 18 Prozent. Der Großteil der Kohle ist Importware, denn hierzulande gibt es nur noch drei Zechen. Die letzte wird voraussichtlich 2018 geschlossen.


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