Konjunktur

Stark abhängig vom Rest der Welt


Autofreier Sonntag: Auf die erste Ölkrise 1973 reagierte die Regierung auch mit Fahrverboten. Foto: Sven Simon/ Grafik: <em>Aktiv</em>

Die Erfahrung zeigt: Unsere größte Industriebranche reagiert immer empfindlicher auf externe Schocks

Berlin. Die Katastrophe in Japan und der andauernde Aufruhr in der arabischen Welt: Seit Wochen sorgen die beiden Themen für Schlagzeilen. Welche Folgen sie für unsere Wirtschaft haben werden, ist heute noch nicht ausgemacht.

Klar ist aber: Deutschlands wichtigste Industrie-Branche Metall und Elektro reagiert empfindlich darauf, was jenseits der Grenzen geschieht.

Verzögerte Wirkung

„Wir sind sehr stark in den Weltmarkt eingebunden, Schocks von außen betreffen uns daher extrem – viel stärker als weniger exportorientierte Wirtschaftszweige“, erklärt Michael Stahl, Chefvolkswirt des Arbeitgeber-Dachverbands Gesamtmetall in Berlin.

Beispiel 1: die erste Ölkrise 1973. Die Organisation der Ölförderstaaten Opec dros- selte die Produktion, der Ölpreis stieg rasant an. In den Folgejahren ging die Produktion der Metall- und Elektro-Industrie deutlich zurück.

Beispiel 2: die europäische Währungskrise 1992. Andere Währungen wie zum Beispiel die Lira mussten gegenüber der D-Mark abwerten – das machte hiesige Produkte über Nacht drastisch teurer. Die Auslastung der Betriebe fiel auf den bis dahin tiefsten Stand der Nachkriegszeit, die Branche erlebte so viele Konkurse wie noch nie.

Beispiel 3: die weltweite Krise nach der Lehman-Pleite 2008. Im Folgejahr stürzte die Produktion der Metall- und Elektro-Betriebe um 22 Prozent ab – mehr als vier Mal so stark wie das deutsche Bruttoinlandsprodukt.

„Dieser Rekord-Einbruch ist immer noch nicht wettgemacht“, betont Stahl, „trotz der Zuwachsrate von 15,3 Prozent im Jahr 2010.“ Japan und Libyen seien nicht mal die drängendsten Probleme: „An erster Stelle stehen die gestiegenen Rohstoff-Kosten – auch das ist ein externer Schock.“

Was der Blick auf das

Auf und Ab der letzten 40 Jahre noch zeigt: Die Ausschläge nach oben und unten sind größer geworden. „Das Geschäft wird kurzlebi-ger, Innovations- und Marktzyklen werden schneller“, weiß der Gesamtmetall-Experte.

Ein Grund dafür ist gerade der Erfolg unserer Betriebe im Ausland: Heute exportieren sie rund 60 Prozent ihrer Produkte. Etwa doppelt so viel wie damals, als die erste Ölkrise ausbrach.

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