Interview

Standort Ruhrgebiet


Die Welt der Industrie: Der Chemiepark Marl aus einer atemberaubenden Perspektive. Foto: waz

Motivierte Mitarbeiter und ausgezeichnete Logistik ziehen Unternehmen an

Die „Metropole Ruhr“ hat es in sich: Hier erwirtschaftet die deutsche Chemie-Industrie einen beachtlichen Branchenumsatz. Größter Standort ist der Chemiepark Marl mit 30 Firmen und rund 10.000 Beschäftigten. Standortleiter Klaus-Dieter Juszak (der auch der Fachvereinigung Chemieparks im Verband der Chemischen Industrie vorsitzt) über die Stärken der Region.

AKTIV: Hohe Lohnkosten, hohe Energiepreise, hohe Umweltauflagen. Deutschland ist nicht gerade die erste Wahl für ausländische Investoren.

Juszak: Unser Standort liegt zentral in Europa. Man findet sehr gut ausgebildeten wissenschaftlichen Nachwuchs. Und Facharbeiter!

AKTIV: Facharbeiter? Woher nehmen Sie die denn?

Juszak: Vor allem im nördlichen Ruhrgebiet haben wir viele Bewerber. Noch gibt es zahlreiche Jugendliche, die eine Ausbildung in der Chemie machen wollen. Von dem Potenzial zehren wir, während Nachbarregionen schon an ihre Grenzen stoßen. Mit dem Programm „Start in den Beruf“ kümmern wir uns zudem um Jugendliche, die noch nicht ausbildungsfähig sind.

AKTIV: Wie überzeugen Sie noch nicht ortsansässige Unternehmen, in Marl Fuß zu fassen?

Juszak: Wir bieten eine speziell auf die Chemie-Industrie zugeschnittene Infrastruktur sowie viele Dienstleistungen rund um die Betriebsgenehmigungen. Das schätzen potenzielle Ansiedler.

AKTIV: Viele Firmen sitzen bei Ihnen seit der Zeit der Kohlechemie. Was hält sie?

Juszak: Wir haben ein über Jahrzehnte hinweg gewachsenes Know-how und sorgen rund um die Uhr für einen reibungslosen Betrieb. Das hält die Kosten für die Firmen wettbewerbsfähig. So haben wir einen Vorsprung im globalen Markt.

AKTIV: Aber Sie haben ein Problem – die Industrieskepsis vieler Bürger.

Juszak: Die Menschen sind nicht ablehnend gegenüber der Industrie. Sie schätzen sehr wohl die Arbeitsplätze und Stärkung der Kaufkraft in der Region. Aber Nachteile in der Nachbarschaft will kaum einer in Kauf nehmen. Dadurch geraten industrielle Vorhaben, etwa der Stromnetzausbau, unter Druck. Hier müsste die Politik klare Wege aufzeigen.

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Info: Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet ist die größte Metropolregion Deutschlands und die drittgrößte innerhalb der EU. Auf dicht besiedelten 4.435 Quadratkilometern (das sind gut 1 Prozent von Deutschland) leben 5,15 Millionen Menschen (das entspricht rund 6 Prozent). Der Anteil an der Wirtschaftsleistung liegt ebenfalls bei 6 Prozent.

 

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