Standpunkt

Standort D als Falle

Hinter der "Wut" über Nokia steckt auch ein fragwürdiges Besitzstandsdenken

Für arbeitsplatzpolitisch korrekte Handy-Käufer ist der Markt enger, als sie glauben. Vor Nokia hat schon Motorola die Herstellung in Deutschland abgeblasen – bleiben von den großen Vier Samsung und Sony Ericsson. Und die sollen sich, da sie in unseren Arbeitsmarkt erst gar nicht eingetreten sind, nun den Absatzmarkt teilen?

Nokia hat hierzulande über zwei Jahrzehnte hinweg mehr als 2.000 Leute beschäftigt. Und zwar zu deutlich (derzeit 15 Prozent) höheren Arbeitskosten als im heimischen Finnland. Schon dieser Feinheit wegen sind die an das Unternehmen geflossenen Subventionen diesem in keiner Weise anzukreiden. So verständlich der persönliche Schmerz der Betroffenen ist: Wäre nicht von den Repräsentanten der Öffentlichkeit zum Abschied ein – wenn auch trauriges – „Dankeschön!“ passender gewesen als „Wut“ und „Empörung“?

Derart rabiate Gefühlstöne könnte anschlagen, wem widerrechtlich genommen wurde, was von Rechts wegen sein Eigen ist. Und in der Tat vertreten Gewerkschaften und sämtliche Parteien (FDP und Union nur überwiegend) im Ergebnis diesen Standpunkt: Nach Vergabe von Arbeitsplätzen dürfen Firmen nicht mehr so über ihr Eigentum verfügen, dass die Jobs wieder entfallen. Sie sollen also mit der Arbeitsplatz-Bereitstellung Fremdbesitzstände geschaffen und sich an den Hals gehängt haben.

In Großaufnahme ist diese politische Verdrehung an der Anklage gegen Nokia abzulesen, dass das Werk Bochum „schwarze Zahlen“ schreibt. Ab welcher Rendite laufender Lohn-Aufwand lohnt, soll der Lohn-Zahler nicht selbst bestimmen. Der Standort D als Unternehmensfalle, jetzt hat sie zugeschnappt!

Mit Gewerkschafts- und Staatsmacht wird ein freiwilliges, auf beiderseitigen Vorteil abstellendes Vertragsverhältnis in einen Daueranspruch der einen gegen die andere Seite umgebogen. Das liegt auf einer Linie mit Fehlentwicklungen in anderen Industrieländern. Typisch deutsch aber ist die Verlängerung dieser Linie mit Kündigungsschutz, ausufernder Mitbestimmung und einer aberwitzigen Arbeitsrechtsprechung.

Das Dorf Jucu im siebenbürgischen Rumänien, nahe der vor 800 Jahren von fleißigen Deutschen gegründeten Stadt Klausenburg, ist zu arm für solchen Unfug.

Dort freut man sich unter anderem auf jährlich 200.000 Euro Steuern von Nokia für die Gemeindekasse. Der Bürgermeister will damit Straßen asphaltieren und endlich alle Häuser an die Kanalisation anschließen.


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