Verkehr

Sprit wird unbezahlbar – oder?


Warum auch Rekordpreise relativ sind

Wiesbaden/Berlin. Wahnsinn! Das Wort fällt schnell, wenn es um den Spritpreis geht. Kein Wunder. Die Zahlen an den Zapfsäulen sind ja ähnlich hoch wie 2008. Und wer gut 1,60 Euro pro Liter blechen muss, fühlt sich abgezockt. Und oft hilflos.

Keine Frage: Der durch die Unruhen in der arabischen Welt befeuerte hohe Ölpreis belastet Weltwirtschaft und Kaufkraft. Von unbezahlbarem Benzin kann aber noch keine Rede sein. Es geht uns diesbezüglich nicht schlechter als vor 30 Jahren!

Autos werden immer effizienter

Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens sind nicht nur Benzin und Diesel teurer als früher – auch die Löhne sind deutlich höher. Nachrechnen zeigt: Wer ein durchschnittliches Entgelt kassiert, muss 2011 für den Liter Super 6,2 Minuten lang arbeiten. 1974 und 1981 war dieser Wert aber schon höher – und auch in einigen anderen Jahren kostete uns der Sprit ähnlich viel Arbeitskraft wie jetzt.

Freilich: 1988 musste nur schlappe 3,6 Minuten schaffen, wer einen Liter Super tanken wollte. So günstig gab es das nie wieder, auch relativ zum Lohn ist der Spritpreis seitdem gestiegen.

Gut für uns, dass noch ein zweiter Punkt dazukommt. Ein Liter bringt uns heute viel weiter als früher – weil unsere Autos besser sind.

Nach Angabe des Verbandes der Automobil­industrie kam ein deutscher Neuwa-gen 1990 pro Liter Kraftstoff 11 Kilometer voran – „heute fährt ein deutsches Auto damit mehr als 15 Kilometer, also ein Drittel weiter.“

Leistungen unserer Ingenieure gleichen höhere Spritpreise teilweise aus. Und das auch künftig, weiß Professor Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Er analysiert regelmäßig die Innovationen der Auto-Hersteller – und ist sicher: „Bei Fahrzeugen mit klassischem Verbrennungsmotor sind noch mal 20 Prozent Effizienz-Verbesserung drin.“

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