Energie

Spielball Solarindustrie


Ab die Post nach Deutschland: Auch der Solarmodul-Hersteller Trina Solar aus dem chinesischen Jiangsu profitiert von der deutschen Einspeise-Vergütung, die wir Verbraucher zahlen. Foto: Fotolia

Warum die Förderung für die Branche Segen und Fluch ist

Berlin. So mancher rümpfte empört die Nase, als im Sommer die Solaranlage der Neuen Messe Stuttgart eingeweiht und ein Detail bekannt wurde: Die Module sind aus China! Hiesige Hersteller kämpfen gegen Billig-Konkurrenz. Und jetzt wird auch noch die Förderung für Solarstrom gekürzt.

Ab Juli gibt’s bei Dach-Anlagen 16 Prozent weniger Einspeise-Vergütung.  Bundesweit hatten Mitarbeiter der Branche dagegen demonstriert. Sie fürchten um ihre Arbeitsplätze. Aber hängen die 78.000 Jobs der Branche wirklich so stark an der Einspeisevergütung?

Professor Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung stellt ernüchternd fest: „Der deutsche Stromverbraucher finanziert über die Förderung zunehmend Arbeitsplätze im Ausland.“  Die Vergütung bekommt nämlich jeder, der Solarstrom ins Netz einspeist, egal mit welchen Modulen.

Und die aus Fernost finden reißenden Absatz. Bei uns kamen im Jahr 2009 mindestens zwei Drittel aller installierten Module aus dem Ausland, nur jedes dritte stammte aus heimischer Produktion.

Zu viele Anbieter rangeln um die Kunden

Spielball Solarindustrie: Einst nur gehätschelt, muss sie sich heute harte Urteile anhören. Etwa von Gerd Billen, dem Vorsitzenden des Bundesverbands der Verbraucherzentralen: „Wenn ein Kind groß ist, muss man es auch irgendwann in die Selbstständigkeit entlassen.“

Er hatte sogar eine viel stärkere Kürzung der Förderung verlangt. Derzeit zahle ein Durchschnittshaushalt rund 80 Euro im Jahr. Anfang 2011 seien es bereits mindestens 150 Euro.

Der Grund: Die Zahl der Anlagen explodiert. Das Solarstrom-Magazin Photon erhebt jährlich, wie viel Leistung dazukommt. 2008 waren es 1.200 Megawatt, 2009 rund 3.000, dieses Jahr werden es geschätzte 5.000 Megawatt. 

Eigentlich sonnige Signale für die Hersteller. Doch zu viele rangeln um die Kunden.  „Zahlreiche deutsche Hersteller sind ineffizent, auch wegen der anfangs sehr hohen Förderung“, meint Frondel. 

Ein Trost: Die guten Unternehmen haben weiter gute Chancen. Dazu zählt Solarworld aus Bonn. Dessen Module liefern in Vergleichstests einfach mehr Strom als andere – und die Firma stellt auch in diesen Zeiten ein.

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