Was unsere Hilfe bewirkt

Spenden: Bilanz der staatlichen und privaten Entwicklungszusammenarbeit

Köln. Bei den einen ist es das schlechte Gewissen, wieder viel zu viel Geld auf dem Weihnachtsmarkt gelassen zu haben, bei den anderen vielleicht reine Nächstenliebe. Fest steht: Jetzt ist wieder Spendenzeit.

Laut Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK geben die Deutschen so viel wie noch nie. 4,7 Millionen Euro waren es letztes Jahr, davon vier Fünftel für humanitäre Hilfe – und für 2014 zeichnet sich schon wieder ein Rekord ab.

Auch wer nicht ganz bewusst Geld an eine Organisation überweist, hilft Menschen in Not. Und zwar über die Steuer. Durchschnittlich drückt jeder Bundesbürger für diesen Zweck 80 Euro im Jahr ab: 6,4 Milliarden Euro stehen dem zuständigen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aus dem Bundeshaushalt zur Verfügung.

Die Zahl der in Armut lebenden Menschen wurde halbiert

Neben dem Staat tragen bundesweit nicht weniger als 600.000 Vereine Tag für Tag dazu bei, dass die Welt ein bisschen besser wird – das ergab eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin. Viele davon richten ihren Fokus auf Entwicklungsländer. Und zwar erfolgreich. „Millionen Menschen in aller Welt profitieren heute von besserer Bildung, einer besseren Absicherung und von höheren Einkommensmöglichkeiten“, so René Hingst von der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Eschborn bei Frankfurt.

Ein Blick zurück zeigt, dass sich bereits viel getan hat. So hat sich laut Weltbank die Zahl derer, die in extremer Armut leben, zwischen dem Jahr 1990 und heute halbiert. Es gibt weniger Hunger, weniger Kinder sterben, und immer mehr Menschen haben Trinkwasser.

Und das trotz aller Krisen und Naturkatastrophen – obwohl die Weltbevölkerung seit 1990 von 5,32 auf 7,28 Milliarden Menschen gewachsen ist.

Die GIZ betreibt im Auftrag des Bundes weltweit Entwicklungszusammenarbeit. Sie beschäftigt rund 16.500 Mitarbeiter, davon 13.000 im Ausland. „Ein Einsatzschwerpunkt in diesem Jahr ist Bangladesch“, sagt Pressesprecher Hingst. Das Land war im April 2013 in den Schlagzeilen – als beim Einsturz einer Textilfabrik auf einen Schlag 1.100 Menschen ums Leben kamen. „Wir helfen vor Ort bei der medizinischen Versorgung und unterstützen die Menschen dabei, beruflich wieder auf die Beine zu kommen.“

Weitere Beispiele: Zehn Jahre nach dem Tsunami im Indischen Ozean gibt es nun ein Frühwarnsystem, das die GIZ mit aufgebaut hat. In Äthiopien helfen Mitarbeiter, Universitäten zu errichten. „Mit unserer Hilfe bekamen in den letzten drei Jahren weltweit über 100 Millionen Menschen Zugang zu einer Krankenversicherung“, so Hingst. „Und 300.000 Menschen haben sich allein in den letzten zwei Jahren beruflich qualifiziert.“

Dabei ist der Begriff „Entwicklungszusammenarbeit“ wörtlich zu nehmen: „Die Sichtweise, dass sich die Probleme von Entwicklungsländern vor allem mit finanziellen Zuwendungen lösen lassen, ist nicht mehr zeitgemäß“, erklärt Imme Scholz, Vizechefin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik in Bonn (DIE). „Es geht nun darum, stärker von der Eigenverantwortung der Partnerländer auszugehen und im Dialog mit ihnen Veränderungen anzustoßen, etwa im Bildungs- und Gesundheitswesen.“

2015 endet die Frist für die „Milleniumsziele“

Nächstes Jahr steht übrigens eine Zwischenbilanz an: Vor 15 Jahren hatte die Uno in den „Milleniumszielen“ verkündet, was sich bis 2015 konkret verbessern sollte. Die acht Handlungsfelder lauten extreme Armut und Hunger, Grundschulbildung, Gleichstellung der Geschlechter, Kindersterblichkeit, Gesundheit von Müttern, Bekämpfung von schweren Krankheiten, ökologische Nachhaltigkeit sowie weltweite Entwicklungspartnerschaft.

Und trotz aller Fortschritte: „Es werden nicht alle Ziele erreicht“, sagt Expertin Scholz. Im nächsten Herbst wird sich die Weltgemeinschaft eine neue Agenda geben.


Fakten

Was Deutschland spendet

  • Fast 4 Milliarden Euro geben die Deutschen dieses Jahr für humanitäre Hilfe. Wie viel davon ins Ausland fließt, darüber gibt es keine Statistik. Besonders viel Geld wird aktuell für den Nordirak gespendet.
  • Mit 6,4 Milliarden Euro staatlicher Entwicklungshilfe liegt Deutschland, relativ zur Wirtschaftsleistung, im Mittelfeld. Dänemark, Schweden und Norwegen sind deutlich großzügiger.

Mehr zum Thema:

Weihnachtszeit – Spendenzeit. Doch sind milde Gaben bei Bargeldsammlungen auf der Straße wirklich sinnvoll? Wo und wie sollte man überhaupt spenden? Klarheit auf diese und weitere Fragen stiften wir hier.

aktualisiert am 30.11.2016

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