Altersvorsorge

Sparen mit dem Chef


Entgeltumwandlung: Jeder Arbeitnehmer darf sie nutzen

Etwas weniger Netto auf dem Konto, aber unter dem Strich deutlich mehr Geld? Doch, das geht. Wenn Sie sozusagen Ihren Chef zur Sparbüchse machen! Das Zauberwort heißt: „Entgeltumwandlung“.

Was ist das denn?

Die Entgeltumwandlung ist eine Form der betrieblichen Altersvorsorge. Dabei werden Sparbeiträge für eine ganz persönliche zweite Rente direkt vom Bruttogehalt abgezogen. Man kann jeden Monat sparen oder dafür Sonderzahlungen verwenden. Jeder Arbeitnehmer kann seinen Chef um so eine Entgeltumwandlung bitten.

Wird das vom Staat gefördert?

Ja: Für die Spar-Beiträge muss keine Lohnsteuer gezahlt werden! Jeder umgewandelte Brutto-Euro wird also zum Netto-Euro fürs Alter. Steuerfrei ist eine Sparleistung von höchstens 4.320 Euro im Jahr. Es lohnt sich derzeit aber besonders, exakt 2.520 Euro pro Jahr fürs Alter umzuwandeln. Denn bis genau zu diesem Wert ist eine Entgeltumwandlung 2007 und 2008 nicht nur steuer-, sondern auch sozialabgabenfrei.

Wo sind die Haken?

Ab 2009 sollen Beiträge, die der Arbeitnehmer zahlt, sozialversicherungspflichtig werden. Die politische Debatte darüber ist aber noch längst nicht zu Ende. Steuerfrei bleiben die Beiträge auf jeden Fall, dafür muss die Extra-Rente im Alter versteuert werden. Das ist aber nicht so schlimm, da man als Ruheständler meist ein geringeres Einkommen hat – und damit einen niedrigen Steuersatz.

Was legt der Chef dazu?

Das ist von Branche zu Branche verschieden. Metaller zum Beispiel bekommen nun ihre „vermögenswirksamen Leistungen“ nur noch, wenn sie das Geld fürs Alter anlegen: Dabei geht es um fast 320 Euro jährlich. Diese „altersvorsorgewirksame Leistungen“ (AVWL) kann man für eine Entgeltumwandlung nutzen.

Für Mitarbeiter der Chemie-Industrie lohnt sich das Verfahren ganz besonders: Die frühere „vermögenswirksame Leistung“ gilt jetzt als so genannter Grundbetrag für die Entgeltumwandlung: rund 480 Euro im Jahr. Dazu kommt die „Tarifförderung I“: rund 135 Euro vom Arbeitgeber. Das sind mehr als 600 Euro im Jahr! Zusätzlich stockt der Chef weitere Sparbeiträge auf: Für je 100 umgewandelte Euro gibt es 13 Euro Zuschuss („Tarifförderung II“). Unter dem Strich heißt das: Bei einer jährlichen Sparleistung von 2.520 Euro spendiert die Chemie-Firma fast ein Drittel dieser Altersvorsorge.

Auch in der Kautschuk-Branche stockt der Chef die Beiträge auf: Für je 100 umgewandelte Euro gibt es 14 Euro tariflichen Zuschuss vom Betrieb.

Gibt es weitere Vorteile?

Ja: Durch die kollektive Versicherung vieler Arbeitnehmer in den Branchen-Versorgungswerken ergeben sich günstige Konditionen – eine Art Mengenrabatt. Außerdem ist das angesparte Vermögen „Hartz-IV-sicher“: Auch bei längerer Arbeitslosigkeit muss das für die zweite Rente zurückgelegte Kapital nicht vorzeitig verwertet werden.

Wie schnell hat man Ansprüche erworben?

Bei umgewandelten und damit selbst bezahlten Beiträgen sind die Ansprüche sofort „unverfallbar“, das Geld bleibt auch bei Kündigung erhalten. Ein Jobwechsel ist normalerweise auch kein Problem, meistens kann man die erworbenen Ansprüche zum neuen Arbeitgeber „mitnehmen“.

Wie wird denn das Geld angelegt?

Es gibt dafür fünf Möglichkeiten: Direktzusagen, Direktversicherungen, Unterstützungskassen, Pensionsfonds, Pensionskassen. Um die Details müssen sich die Beschäftigten aber nicht groß kümmern: Der Arbeitgeber entscheidet jeweils, welche Anlage-Form(en) er für seinen Betrieb anbietet.

Wie sicher ist das Geld ?

Sehr sicher. Die gesetzlichen Schutzbestimmungen für die Betriebsrente sehen vielerlei Absicherungen vor. Ergebnis: „Die Beiträge sind stärker geschützt als in der Privatvorsorge“, wie die Chemie-Arbeitgeber betonen. Sie rufen denn auch zur Altersvorsorge auf: „Wer nicht umwandelt, verliert Geld!“

www.metallrente.de

www.chemie-altersvorsorge.de

www.zukunftsfonds-medien-druck-papier.de

Guter Rat gratis

Beim Arbeitsministerium ist kostenlos die Broschüre „Zusätzliche Altersvorsorge“ erhältlich. Sie können das Heft unter der Rufnummer 0228-5270 anfordern, die Bestellnummer: „A 817“. Ein Internet-Download ist möglich: www.bmas.bund.de, Bereich „Service“, betriebliche Altersvorsorge

Sparen Sie noch oder „riestern“ Sie schon?

Zuschüsse einsammeln!

Die Rente mag ja sicher sein. Aber dass sie nicht sehr hoch sein wird, ist ebenfalls klar. Neben der betrieblichen wird daher die private Altersvorsorge immer wichtiger – und „riestern“ immer beliebter. AKTIV erklärt, worum es dabei geht.

Wie funktioniert die „Riester-Rente“?

Wer privat fürs Alter spart, wird vom Staat mit Zuschüssen belohnt. Eltern bekommen zudem für jedes kindergeldberechtigte Kind eine Zulage. Man zahlt also selbst nur relativ wenig ein und bekommt dennoch eine ansehnliche Zusatzrente, auf die der Staat keinen Zugriff hat: Riester-Renten sind „Hartz-IV-sicher“. Ob es zudem noch Steuervorteile per „Sonderausgabenabzug“ gibt, prüft das Finanzamt automatisch. Allerdings sind die späteren Rentenzahlungen steuerpflichtig.

Wer kann die Zuschüsse einsammeln?

Jeder sozialversicherungspflichtig Beschäftigte hat Anspruch auf die Zulagen, ebenso zum Beispiel nicht erwerbstätige Ehepartner. Unverheiratete Lebenspartner ohne eigenes Einkommen dürfen aber nicht riestern.

Gibt es branchenspezifische Lösungen?

Ja, zum Beispiel für die Metallindustrie (www.metallrente.de). Mitarbeiter in der Chemie sollten auf die attraktive betriebliche Altersvorsorge achten (www.chemie-altersvorsorge.de).

Wie viel sollte ich sparen?

Das ist etwas knifflig. Damit man die höchstmöglichen Zulagen kassieren kann, müssen 2007 insgesamt (also inklusive dieser Zulagen!) 3 Prozent des 2006 verdienten Jahresbruttogehaltes eingezahlt werden. Ab 2008 liegt der nötige Sparbetrag dann bei jeweils 4 Prozent des Vorjahresbruttos – dafür steigen 2008 die Zulagen deutlich an. Zahlt man weniger ein (problemlos möglich), werden die Zulagen entsprechend gekürzt. Minimum ist eine Eigenleistung von 60 Euro pro Jahr.

Für wen lohnt es sich?

Grundsätzlich lohnt sich die Sache für jeden. Kinderreiche Sparer mit geringem Einkommen profitieren besonders. Auch für verheiratete Hausfrauen (oder -männer) ist das Riestern attraktiv.

Welche Spar-Formen sind möglich?

Man kann zwischen einer Versicherung, einem Banksparplan und einem Fondssparplan wählen – also: Geschmackssache! Ein Riester-Produkt muss aber von der zuständigen Bundesbehörde zertifiziert sein, sonst gibt es keine Zulagen.

Was bringt dieses „Zertifikat“?

Die Anbieter (Banken und Versicherungen) müssen bestimmte Vorgaben garantieren. Die Wichtigsten: Mindestens alle eingezahlten Beiträge (inklusive der Zulagen) müssen im Alter zur Verfügung stehen – und die Zusatz-Rente muss lebenslang gezahlt werden.

Sind alle zertifizierten Produkte gleich gut?

Nein. Das Zertifikat garantiert nur die Einhaltung der staatlichen Vorgaben. Ob und wie sehr sich die Sache finanziell lohnt, hängt vom Anbieter ab. Im Extremfall kommt am Ende nicht mehr heraus, als eingezahlt worden ist. Produkt-Vergleiche finden sich in Zeitschriften wie „Finanztest“.

Was muss ich tun, um die Förderung zu bekommen?

Ohne Zulagenantrag läuft nichts. Man erhält dieses Formular aber automatisch zugesandt.

Prima Broschüre aus Berlin

Die Deutsche Rentenversicherung Bund hat eine informative Broschüre zum Thema herausgegeben: „Von Ansparphase bis Zulage – ,Riestern’ leicht gemacht“. Diesen Ratgeber mit Stichwortverzeichnis können Sie sich unter www.deutsche-rentenversicherung-bund.de (Suchwort: „ Ansparphase“) downloaden oder bestellen. Auch über die Gratis-Hotline 0800 - 1000 480 70 kann das Heft angefordert werden.

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