Leitartikel

Späte Erkenntnis der Gewerkschaften

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Eine Mitteilung der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung lässt aufhorchen: „Berechnungen zeigen, dass die Leiharbeit mit einem Anteil von 2 Prozent der sozialversicherungspflichtigen und geringfügigen Beschäftigung annähernd auf dem Stand von 2007 verharrt.“

Die Zeitarbeit ist also absolute Randerscheinung. Und war auch zwischendurch nie wirklich bedeutender. Aber hat uns nicht eine jahrelange Kampagne der Gewerkschaften diese Form der Beschäftigung als das große, um sich greifende Übel verkauft? Als Inbegriff des Trends zu „prekären“ Jobs, in denen wir hilflos der kapitalistischen Willkür ausgesetzt sind? Die Desinformation blieb nicht ohne Wirkung. Zwei von drei Deutschen schätzen den Anteil der Zeitarbeit nicht auf 2, sondern auf mindestens 20 Prozent.

Dass Zeitarbeitnehmer in der Regel unbefristet beschäftigt sind und die übliche Absicherung durch die Sozialkassen haben, wurde verschwiegen. Behauptet wurde, die Wirtschaft ersetze massenhaft Stammkräfte – dabei ging es ihr insgesamt betrachtet darum, Auftragsschwankungen abzufedern. Eben deshalb hatte ab 2002 eine rot-grüne Regierung den Betrieben bewusst erleichtert, externe Kräfte dazuzuholen.

Inzwischen bemühen Gewerkschafter, die das Jobwunder der letzten Jahre schlechtreden wollen, das Thema Teilzeit. Sie nennen das „atypisch“, also irgendwie auch prekär. Und sie verwirren nach wie vor die Öffentlichkeit: Auch hier wird nicht verdrängt, sondern es gibt neue Brücken in den Arbeitsmarkt.

Denn Fakt ist: Die Zahl der saunormalen Stellen, der unbefristeten sozialversicherungspflichtigen Vollzeitjobs, lag 2013 um 1,5 Millionen höher als 2007.


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