Leitartikel

Sozialstaat außer Kontrolle

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Eigentlich ist unser Sozialstaat ein Stück weit entbehrlicher geworden. Er muss nur noch etwa halb so viel für die Arbeitslosen aufbringen wie vor zehn Jahren. Logisch, es sind ja viel weniger als früher. Um rund 40 Milliarden Euro pro Jahr, so rechnete jetzt die Bundesagentur für Arbeit vor, sind Staat und Sozialkassen dadurch entlastet worden.

Doch die erfreuliche Nachricht bekommt einen grotesken Beigeschmack, wenn man drei weitere offizielle Zahlen mit in den Blick nimmt:

  • Die gesamte jährliche Steuerlast in Deutschland liegt dieses Jahr dennoch um 200 Milliarden Euro höher als ein Jahrzehnt zuvor.
  • Die Sozialversicherungsbeiträge sind trotz des im Ausland viel gerühmten deutschen Jobwunders mit 39,5 Prozent fast exakt so hoch wie in der dramatischen Wirtschaftskrise 2009.
  • Der Wert aller Sozialleistungen klettert dieses Jahr auf 830 Milliarden Euro, neuer Rekord – und preisbereinigt 7 Prozent mehr als vor zehn Jahren.

Es ist nicht bekannt, dass Deutschland in jüngster Zeit eine Marsmission gestartet hätte. Oder, noch utopischer, seine Bildungs- und Verkehrsinfrastruktur auf Vordermann brachte. Gleichwohl ist unser Gemeinwesen gefräßiger denn je. Auf der Jagd nach Wählerstimmen und wohl auch nach persönlichem Weiterkommen schaufeln unsere Politiker unaufhörlich immer mehr Geld in Soziales.

Sie lassen sich nicht davon beirren, dass die Zahl der Arbeitslosen von fünf auf drei Millionen gesunken ist. Sie suchen sich neue Zielgruppen und machen einfach so weiter. Wenn ein einzelner Sozialarbeiter so tickt, ist das ein Sucht-Befund: Man spricht dann vom „Helfersyndrom“.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang