Ganz schön sozial

Sozialleistungen wachsen erneut schneller als die Wirtschaft

Berlin. Soziale Gerechtigkeit – davon können wir offenbar nicht genug bekommen: In Umfragen dazu wird unser Staatswesen regelmäßig von seinen Bürgern abgewatscht. So befanden im Frühjahr mal wieder 59 Prozent, dass es in Deutschland nicht gerecht zugehe. Und laut der gleichen repräsentativen Allensbach-Umfrage halten es 52 Prozent für wichtiger, die soziale Gerechtigkeit zu mehren, als den Wirtschaftsstandort D zu stärken.

Im Bauchgefühl vieler Zeitgenossen hat unser Sozialstaat an ausgleichender Kraft verloren. Dabei ist die sogenannte Sozialleistungsquote heute deutlich höher als vor 20 Jahren! In den letzten beiden Jahren ist sie jeweils leicht gestiegen, auf 29,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Das belegt das neue „Sozialbudget“ aus dem Bundesarbeitsministerium. Notgedrungen sind einige Daten in dieser Statistik noch vorläufig, aber die Tendenz ist klar: „2013 wurden rund 812 Milliarden Euro für soziale Leistungen ausgegeben“, so das Ministerium, „gegenüber dem Vorjahr sind die Sozialleistungen um 3,4 Prozent gestiegen.“

Damit haben sie erneut stärker zugelegt als die nominale Jahreswirtschaftsleistung (plus 2,7 Prozent). Mit Abstand am meisten lassen wir uns die Versorgung von Alten und von Kranken kosten. Für Kinder und für Arbeitslose fließt ebenfalls viel Staatsknete.

Natürlich muss das alles auch jemand bezahlen. Zum einen löhnen wir ja selbst ganz direkt für unser gut ausgebautes soziales Netz: Mit Beiträgen der Versicherten werden laut Sozialbudget gut 30 Prozent aller Leistungen finanziert. 34 Prozent bezahlt der Staat, zum Beispiel mit einem Teil der bei Bürgern und Betrieben eingetriebenen Steuern. Ebenfalls rund 34 Prozent tragen die Arbeitgeber, dabei werden Ausgaben der Firmen für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder auch die Betriebsrente mitgerechnet.

Übrigens: Das Bauchgefühl trügt uns oft, wenn es um das so wichtige Thema „soziale Gerechtigkeit“ geht. Also auch bei der Frage, wie eigentlich die Einkommen im Lande verteilt sind. Passt Ihre ganz persönliche Vorstellung da zu den Fakten? Mit einem neuen Online-Tool aus dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) können Sie das schnell testen:


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