Schmerzgrenze bei den Sozialbeiträgen wird überschritten

Sozialausgaben steigen erneut stärker als die Wirtschaftsleistung

Berlin. Das ist happig: 38,4 Milliarden Euro hat man letztes Jahr in Deutschland zusätzlich für Sozialleistungen ausgegeben. Insgesamt 888,2 Milliarden Euro weist die nun von der Bundesregierung veröffentlichte Bilanz aus – das „Sozialbudget“. Es ist damit zum vierten Mal in Folge deutlich kräftiger gestiegen als die Wirtschaftsleistung. Selbst inflationsbereinigt ist es gut ein Viertel höher als 20 Jahre zuvor.

Den größten Anteil der Kosten (34,5 Prozent) schultern laut Regierungsbericht die Arbeitgeber, zum Beispiel durch ihre Sozialbeiträge. Etwas weniger steuern die Versicherten bei (30,3 Prozent). Hinzu kommen vor allem umfangreiche Zuschüsse des Staats – die natürlich weitgehend aus Steuermitteln und damit ebenfalls von Betrieben und Beschäftigten finanziert werden.

Der Anstieg der Sozialausgaben hat mit der Alterung der Gesellschaft zu tun, aber auch mit der Politik der Großen Koalition in Berlin. Der Arbeitgeber-Dachverband BDA kritisiert denn auch die „milliardenschweren Leistungsausweitungen in der Renten-, Pflege- und Krankenversicherung“. Und warnt: Ab Januar 2017 werden die Sozialbeiträge erstmals seit 2012 „die 40-Prozent-Marke überschreiten“.

Die gilt für die Wirtschaft als absolute Schmerzgrenze – und eigentlich auch für Kanzlerin Angela Merkel. Im Jahr 2005, bei ihrem Amtsantritt, hatte sie versprochen: Die Summe der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Sozialbeiträge, relativ zum Bruttolohn, wird „dauerhaft unter 40 Prozent gesenkt“. So stand es damals im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD.

Von einer so klaren Linie, die den Betrieben im internationalen Kostenwettbewerb helfen würde, ist heute nichts mehr zu sehen. „Die Große Koalition hat sich zu einer teuren und zum Teil rückwärtsgewandten Sozialpolitik verleiten lassen“, bemängelt der Arbeitgeberverband. „Deren Kosten werden erst zeitverzögert vollständig zutage treten.“


Mehr zum Thema:

Die Pflegereform 2017 wird große Veränderungen bringen. Worin bestehen die wichtigsten Neuerungen? Welche Pflegebedürftigen sollen am meisten profitieren? Was ändert sich für die Angehörigen? Und wer sollte noch 2016 aktiv werden?

Die Pflegereform gilt als größter Eingriff in die Pflegeversicherung, seitdem es diese überhaupt gibt. Eine Neuerung: Ab 2017 haben auch Demenzkranke Anspruch auf Leistungen aus der Pflegekasse. Aber es fehlen die Fachkräfte.

„Ich hab Rücken.“ 326 Fehltage je 100 Versicherte verursachte das Kreuz mit dem Kreuz bei der Krankenkasse DAK. Vor fünf Jahren waren es erst 294 Tage. Die Beschäftigten sind wieder mehr krank. Was das für die Betriebe bedeutet.

Alles nur Panikmache? Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland, die oft kritisiert wird, gebe es gar nicht – das betont der renommierte Berliner Professor im Interview mit AKTIV. Wie er das meint, lesen Sie hier.

Ob Mindestlohn, Frührente oder Frauenquote: Letztlich geht es stets um soziale Gerechtigkeit. Wohl jeder hat da ein Bauchgefühl parat – aber damit noch nicht die harten Fakten. Wie steht es also wirklich um Deutschland?

Studium oder Kindererziehung, Auslandsaufenthalt, Beschäftigung in der DDR – darüber weiß die Rentenkasse erstmal: nichts. Hier hilft eine Kontenklärung. Und die sollte jeder machen, dessen Rentenkonto noch Lücken hat.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang