Energietechnik

Sonnige Zeiten in Sicht


Wie bayerische Firmen im Geschäft mit Solar-Kraftwerken engagiert sind

München/Jülich. Er könnte besser sein, der Standort für Deutschlands neuestes solarthermisches Versuchskraftwerk: Nur 1.542 Stunden lang schien im nordrhein-westfälischen Jülich im vergangenen Jahr die Sonne. In der Sahara macht sie das fast dreimal so lang.

Doch die maximale Ernte der Sonnenwärme steht nicht im Vordergrund dieses 24 Millionen Euro teuren Projekts. Sondern die Technik. Und die kommt ganz wesentlich aus Bayern.

Bis zu 1.000 Grad im Brennpunkt

Kraftanlagen München hat die Jülicher Anlage in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und dem SolarInstitut Jülich errichtet. Betreiber sind die Stadtwerke Jülich. Der Zweck: Forschung und Erprobung. Erst danach könnte die Technologie später einmal zum deutschen Exportschlager werden.

Die Anlage sieht ein wenig danach aus, als hätten sich hier Aliens auf einer deutschen Wiese niedergelassen. Mehr als 2.000 bewegliche Spiegel lenken die Sonnenstrahlen gebündelt zur Spitze eines 60 Meter hohen Turms, hinein in eine poröse Keramik-Struktur. Bis zu 1.000 Grad beträgt die Temperatur im Brennpunkt. Mit dieser Energie erhitzt die Anlage angesaugte Luft aus der Umgebung – und erzeugt letztlich Wasserdampf, der eine Turbine antreibt.

„Das Herzstück der Anlage, der Receiver, ist weltweit einzigartig“, berichtet Mark Schmitz, der beim Solar-Institut Jülich die Abteilung „Regenerative Systeme“ leitet. Zugleich stellt er klar: „Wir betreiben Forschung an einem Prototypen.“ Bis die Technologie im großen Stil angewendet werden kann, ist es ein weiter Weg. Immerhin erwägt Kraftanlagen München, mit der gleichen Technik ein weiteres kleines Solarturm-Kraftwerk in Algerien zu errichten. Die Machbarkeitsstudie ist derzeit in Auftrag.

Seit dem vergangenen Sommer sind solche Projekte stärker ins öffentliche Interesse gerückt: wegen „Desertec“. Unter diesem Namen gründeten ein Dutzend Industrie- und Finanz-Unternehmen am 13. Juli ein Konsortium, um ein spektakuläres Vorhaben anzugehen. Sie wollen gigantische Solar-Kraftwerke in Afrikas Wüsten bauen und damit bis zum Jahr 2050 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken. Beteiligt sind unter anderem der Münchener Siemens-Konzern, Eon, die Münchener Rück sowie der Solar-Spezialist Solar Millennium in Erlangen.

Die Solarzelle war nur der Vorgeschmack

„Der Markt für Solar-Kraftwerke wird wachsen, und wir wollen uns einen Anteil sichern“, sagt Gerrit Koll von Kraftanlagen München. Er ist Leiter für Projektentwicklung und Vertrieb im Geschäftsbereich Energie- und Umwelttechnik. „Auch wir können uns vorstellen, für Desertec einmal Projekte zu realisieren.“

Zwar hat in der Solarkraftwerk-Technik derzeit noch die sogenannte Parabolrinnen-Technologie die Nase vorn: Das Sonnenlicht wird in riesigen Parabolspiegeln gebündelt und erhitzt in Rohren einen Wärmeträger, etwa synthetisches Öl, auf bis zu 400 Grad. Damit werden dann ebenfalls Dampfturbinen angetrieben. Diese Variante gilt als ausgereift und wird etwa in Südspanien und Kalifornien kommerziell genutzt. Die Anlagen laufen zum Teil schon seit mehr als 20 Jahren.

Trotzdem könnte sich die Solarturm-Alternative, wie sie in Jülich zu besichtigen ist, am Markt durchsetzen. Sie verspricht einen höheren Wirkungsgrad. Jedenfalls sorgt der Technik-Wettstreit als solcher für Dynamik. „In der Auto-Industrie wurden der Diesel- und der Otto-Motor ebenfalls parallel genutzt und weiterentwickelt“, gibt Experte Schmitz vom Solar-Institut Jülich zu bedenken. „Es ist immer schlecht, nur auf ein Pferd zu setzen.“

Noch verbinden viele Menschen das Thema „Sonnenenergie“ mit den niedlichen Solarzellen, wie sie auf immer mehr Häuserdächern zu sehen sind. Sie wandeln Sonnenstrahlen mit der sogenannten Photovoltaik direkt in Strom um. Das lohnt sich derzeit nur wegen einer sehr hohen, staatlich garantierten „Einspeise-Vergütung“, mit der die Stromlieferanten den Hausbesitzern den produzierten Strom abkaufen müssen. Erst später, sagen Experten, könnten der technische Fortschritt und der Preisverfall bei den Modulen diese Subvention überflüssig machen. Jenseits dieser Tausend-Dächer-Romantik mausert sich das Geschäftsfeld Solarthermie zum Umsatzträger.

Großaufträge werden konkret

So bezeichnet sich Siemens als weltweit führender Hersteller der dafür benötigten Dampfturbinen. Das Unternehmen kam auch in Jülich zum Zug und verspricht sich viel von Desertec. Zudem rechnen die Münchener damit, für die 3.000 Kilometer langen Hochspannungsleitungen von Afrika nach Europa sorgen zu dürfen. Dass der Konzern das kann, beweist er gerade in China. Dort geht in Kürze eine Gleichstrom-Leitung von 1.400 Kilometern Länge in Betrieb.

Info: Wie Desertec Solarstrom nach Europa bringt

Das Ziel des Mitte Juli gegründeten Desertec-Konsortiums ist ambitioniert: Bis 2050 sollen rund 15 Prozent des europäischen Strombedarfs mit Importen aus Afrika gedeckt werden. Das Projekt sieht vor, vor allem solarthermische Kraftwerke in der Wüste zu errichten. Das angepeilte Investitionsvolumen beträgt etwa 400 Milliarden Euro.

Allein 50 Milliarden Euro sind für die 3.000 Kilometer langen Leitungen vorgesehen. Sie müssen neu gebaut werden, um die beiden Kontinente zu verbinden. Durch Hochspannungs-Gleichstromübertragung soll der Stromverlust beim Transport nur 10 bis 15 Prozent betragen. Bis 2012 will man die Planungen abgeschlossen haben. Die ersten Kraftwerke könnten dann bereits im Jahr 2020 mit der Stromerzeugung beginnen.

Mehr Informationen im Internet: www.desertec.org

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