Tipp der Woche

Soll ich IGELn?


Na, wie wär’s?! Wenn der Doktor spezielle Angebote macht, sollte man nicht blindlings zugreifen ... Foto: Straßmeier

Extra-Angebote vom Arzt: Was Sie darüber wissen sollten

 

 

Augen-Innendruck messen? Professionelle Zahnreinigung? Zusätzliche Krebs-Vorsorge? Viele Ärzte bieten ihren Patienten solche „Individuellen Gesundheitsleistungen“ an – kurz „IGEL“ genannt. Die Kassen zahlen dafür keinen Cent. Sollte man dann also privat in die eigene Gesundheit investieren?

 

 

 

„Bei vielen IGEL ist der Nutzen nicht ausreichend wissenschaftlich belegt – deshalb werden sie von den Kassen auch nicht bezahlt“, erklärt Ärztin Barbara Tödte, Beraterin bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland.

 

 

 

Tests mit hoher Fehlerquote

 

 

 

Die meisten IGEL dienen der Diagnose, etwa der Krebs-Früherkennung. Tödte weiß: „Viele dieser Tests haben eine hohe Fehlerquote – vor allem bei Gesunden gibt es häufig Fehlalarm durch ,falsch-positive‘ Ergebnisse.“ Unnötige und oft schmerzhafte Untersuchungen oder Behandlungen folgen, nur weil der Test falsch angeschlagen hat.

 

 

 

Warum bieten Mediziner die umstrittenen Leistungen trotzdem an? „Studien zeigen, dass viele Ärzte nicht richtig informiert und durchaus selbst von diesen Angeboten überzeugt sind“, sagt Tödte.

 

 

 

Mancher Doc hört aber auch nur die Kasse laut klingeln: Teilt die Arzthelferin schon am Empfang die entsprechenden Formulare aus, ist das kein gutes Zeichen! „IGEL wurden ja eingeführt, um Einnahmerückgänge aus der gesetzlichen Krankenversicherung auszugleichen.“ Daher unken Experten: IGEL ist alles, was „irgendwie Geld“ bringt ...

 

 

 

Wenn der Arzt eine Zusatzleistung anbietet, sollte man in Ruhe überlegen, ob die Sache Sinn macht: „Grundsätzlich besteht bei IGEL keine Eile“, betont Tödte. Will der Mediziner unbedingt sofort loslegen, ist das gegen die Regeln der Bundesärztekammer. Der Patient muss nämlich vor der Behandlung einen Vertrag unterschreiben, in dem die Leistung und die voraussichtlichen Kosten aufgelistet sind.

 

 

 

Außerdem muss der Arzt den Patienten zuvor ausführlich persönlich beraten. Man sollte dann genau nachfragen, welche Nutzen und Risiken mit der Sonderleistung verbunden sind. Die Abrechnung sollte nach der Gebührenordnung erfolgen und keine Pauschal-Honorare enthalten.

 

 

 

Reise-Impfung auf eigene Kosten

 

 

 

Es gibt allerdings auch völlig unproblematische IGEL: Atteste und Bescheinigungen etwa, aber auch so manche sinnvolle Reise-Impfung dürfen nämlich von den gesetzlichen Kassen ebenfalls nicht bezahlt werden. Einfach, weil sie nicht der Behandlung oder der Früherkennung von Krankheiten dienen.

 

 

 

 

 

 

● Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (www.upd-online.de) berät gratis. Merkblätter der Bundesärztekammer und der Krankenkassen zum Thema IGEL finden Sie im Netz (tinyurl.com/bpvbbfo und tinyurl.com/d5jyybe).

 

 

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