Gut gegen Glatteis

Sole von Solvay halbiert den Salzverbrauch beim Winterstreudienst

Ahaus. Der Winter ist da – und mit ihm vereiste Straßen. Da heißt es kräftig Salz streuen, auch wenn das die Umwelt nicht freut. Um den bundesweiten Streusalz-Verbrauch zu reduzieren (2013 waren es 3,5 Millionen Tonnen), kommt jetzt zunehmend Sole zum Einsatz, eine Salz-Wasser-Lösung.

Ob in Hamburg, Erfurt oder Augsburg, überall setzt man auf „Flüssigstreuen“. Das Verfahren senkt den Salzverbrauch um etwa die Hälfte und beschleunigt zudem den Auftauprozess. Die ideale Mischung enthält 23,6 Prozent Kochsalz und 76,4 Prozent Wasser.

Studien zeigen, dass die Sole länger auf der Straße haftet als kristallines Salz und diese deshalb länger eisfrei hält. Je nach Wetterlage wird Sole gern vorbeugend aufgespritzt. Erst bei minus sechs Grad Celsius stößt das Mittel an seine Grenzen.

Zur Idee, Sole für den Winterdienst zu nutzen, führte ein Notfall: Im strengen Winter 2009/2010 fror im westfälischen Gronau die Klinik-Zufahrt zu – und die Salzvorräte waren leer.

In der Not bat man die benachbarte Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen (SGW) in Ahaus um Hilfe. Die Tochter des Chemie-Unternehmens Solvay fördert hier aus mehr als 1.000 Meter Tiefe Salz.

20 Millionen Liter Sole am Tag

Dazu spült man bei SGW Wasser durch Bohrlöcher in die Salzschicht. „Die dabei entstehende Sole fließt normalerweise durch Rohrleitungen in Richtung Niederrhein zu Chemie-Standorten“, erklärt Betriebsleiter Martin Hart. Damals aber nutzte man sie zum Auftauen. Mit Erfolg: „Die vermeintliche Notlösung entpuppt sich als Methode der Wahl“, sagt Hart. Inzwischen gibt es eine Sole-Tankstelle, weitere wären möglich.

„Wir fördern täglich rund 20 Millionen Liter“, so Unternehmensleiter Manfred Inkmann. „Die Straßenmeistereien können wir je nach Bedarf Tag und Nacht mit den benötigten Mengen versorgen.“

Übrigens: Die Sole dient als Rohstoff für die chemische Industrie. Man benötigt sie etwa bei der Herstellung von Soda, von Wasch- und Reinigungsmitteln, Kunststoffen, Futtermitteln, Kühlmitteln, Seifen und Arzneimitteln. Größter Abnehmer ist die Glas-Industrie.


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