Neues Gutachten „Bildung 2030 – veränderte Welt“

So wird Schule modern – Aktionsrat Bildung zeigt, wie das geht

Der stärkere Einsatz digitaler Lernmittel ist eine zentrale Forderung des Gremiums. Migration, die Veränderung von Familien sowie der Zugang zu wohnortnahen Schulen sind aus Sicht der Experten weitere Herausforderungen.

Mit Tablet: Pfiffiger Chemieunterricht an einer Modellschule in Erlangen. Foto: Karmann

Mit Tablet: Pfiffiger Chemieunterricht an einer Modellschule in Erlangen. Foto: Karmann

München. Selbstfahrende Autos, intelligente Roboter, neue Internetdienste: Die Welt verändert sich schneller als früher – unser Bildungssystem muss darauf reagieren. Davon ist der „Aktionsrat Bildung“ überzeugt. Er hat sich intensiv Gedanken gemacht, was konkret passieren muss. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) hat das hochkarätig besetzte Gremium aus Bildungsexperten 2005 initiiert.

In ihrem nun vorgestellten Gutachten „Bildung 2030 – veränderte Welt. Fragen an die Bildungspolitik“ benennen die Wissenschaftler zwölf Herausforderungen, die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam angehen müssen. Das Schulsystem stehe „vor epochalen Veränderungen“, so Professor Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg und Vorsitzender des Aktionsrats Bildung.

Ein zentrales Thema: die Digitalisierung. Sie habe großen Einfluss auf die Anforderungen an das Bildungssystem. So müsse etwa der Einsatz digitaler Lernmittel verstärkt werden. Dies sei jedoch nur möglich, wenn bei der Infrastruktur technisch aufgerüstet werde und schnelles Internet flächendeckend verfügbar sei. Täglich werden weltweit rund 200 Milliarden E-Mails verschickt und 9 Milliarden Youtube-Videos geklickt. Schüler müssten lernen, aus der Informationsflut verwertbares Wissen zu filtern. Das könne nur gelingen, wenn der Umgang mit den digitalen Möglichkeiten sinnvoll gelernt werde.

In Bayern geschieht das gerade im Modellversuch „Digitale Schule“, den die vbw unterstützt. An acht Schulen werden Konzepte zum Einsatz moderner Medien im Klassenzimmer entwickelt. Nach Abschluss des Projekts im Jahr 2020 sollen die besten Ideen auf weitere Schulen übertragen werden.

Technikschub, Landflucht, Wertewandel – es gibt viele Herausforderungen

Im Gutachten stellt der Aktionsrat weitere Fragen an die Bildungspolitik, etwa, was sich hier verändern muss, um auf künftige Herausforderungen zu reagieren. Oder wie in Schule und Ausbildung dem Wertewandel in der Gesellschaft, den Veränderungen von Familien und der Bedeutung des Religiösen begegnet werden kann. Und wie man am besten mit Migration und Landflucht umgeht.

Der Aktionsrat Bildung hat bereits in seinem Gutachten 2016 weitere Anstrengungen zur Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit gefordert. In ihrer aktuellen Expertise weisen die Wissenschaftler auch auf die Bedeutung flächendeckender wohnortnaher Bildungs- und Betreuungsangebote in Vorschule und Schule hin.

Das Gutachten zum Download:

aktionsrat-bildung.de


Der Arbeitgeberpräsident zum Thema Bildung

Alfred Gaffal, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Foto: vbw
Alfred Gaffal, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Foto: vbw

„Schlüssel für Wohlstand“

Digitales Können spielt in der Arbeitswelt inzwischen eine zentrale Rolle, betont Alfred Gaffal, der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw).

Warum muss das Lernen digitaler werden?

Die Digitalisierung verändert unser Leben und Arbeiten rasant. Schüler müssen sich von Anfang an in dieser Welt zurechtfinden. Deshalb ist es notwendig, moderne Informations- und Kommunikationsmedien frühzeitig und fest in den Lehr- und Lernprozessen zu verankern.

Was hat die Wirtschaft davon?

Bildung ist der Schlüssel für wirtschaftlichen Wohlstand. Und unsere Betriebe stehen vor großen Herausforderungen. Die erfolgreiche Umsetzung der Digitalisierung in Schule und beruflicher Bildung wird mitbestimmen, ob sie weiter wirtschaftlich erfolgreich sind.

Also: viel Handlungsbedarf!

Ja, die berufliche Aus- und Weiterbildung muss gezielt auf die Bedarfe der Digitalisierung ausgerichtet werden. Die Grundlagen werden in der Schule gelegt. In der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte für Schulen und Berufsschulen muss ein deutlicher Schwerpunkt auf das digitale Lehren und Lernen gelegt werden. Dafür setzen sich die bayerischen Arbeitgeberverbände auf Bundesebene ein. Und an Hochschulen braucht es mehr fächerübergreifendes IT-Wissen, etwa über „Big Data“.

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