Schlichten statt richten

So trägt das neue Mediationsgesetz zu Konfliktlösungen bei

Zoff am Zaun: Bei Streitigkeiten unter Nachbarn kann ein neutraler Schiedsrichter helfen – im Fachjargon „Mediator“ genannt. Foto: fotolia

Die „Mediation“, also die außergerichtliche Vermittlung bei Streitigkeiten, gibt es in Deutschland schon viele Jahre. Aber erst jetzt ist ein Gesetz in Kraft getreten, mit dem die Mediation offiziell im deutschen Rechtssystem verankert wird. Sein Name: „Gesetz zur Förderung der Mediation und anderer Verfahren der außergerichtlichen Konfliktbeilegung.“ Damit ist eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2008 umgesetzt worden.

„Dieses Gesetz legt die Rahmenbedingungen fest und gibt den Bürgern die notwendige Orientierung: Mediation ist etwas Gutes!“ So erklärt es Uwe Kappmeyer, Rechtsanwalt und Mediator bei der Kanzlei Mahne und Germann in Hannover sowie Mitglied der Arbeitsgruppe Mediation im Deutschen Anwaltverein.

Zudem, so Kappmeyer weiter, wird schwarzen Schafen das Handwerk erschwert: Denn an die Mediatoren werden nun bestimmte Anforderungen gestellt und ihre Rechte und Pflichten werden festgelegt. Unter anderem sind Mediatoren zu Verschwiegenheit verpflichtet und haben ein weitgehendes Zeugnisverweigerungsrecht.

Mediation führt sehr oft zur Lösung

„Ziel des Gesetzes ist, vor gerichtlichem Streit möglichst den Versuch einer selbst erarbeiteten Einigung zu unternehmen, wofür sich eben die Mediation anbietet“, sagt Kappmeyer. Reicht jemand eine Klage ein, fragt das Gericht also in geeignet erscheinenden Fällen nach, ob nicht versucht werden soll, den Streit per Mediation aus der Welt zu schaffen.

„In rund 80 Prozent der Fälle finden die beteiligten Parteien dann tatsächlich eine Lösung – wenn sie den notwendigen Einigungswillen mitbringen“, weiß Kappmeyer.

Zusammenleben soll möglich bleiben

Eine Mediation bietet sich vor allem dann an, wenn die Streitenden eine gemeinsame Zukunft vor sich haben – ob sie wollen oder nicht: Wenn es also beispielsweise um Nachbarn, Verwandte oder Arbeitskollegen geht.

Der Mediator strukturiert und moderiert den mehrstufigen Ablauf des Verfahrens. „Er darf jedoch nicht werten und keine eigenen Lösungsvorschläge forcieren“, betont Kappmeyer. Aufgabe des Mediators sei es vielmehr, durch passende Fragen eine Verständigung zwischen den Parteien zu ermöglichen. Die Betroffenen müssen sozusagen unter Anleitung gemeinsam eine Lösung erarbeiten. Und weil ihnen nicht einfach ein Urteil vorgegeben wird, akzeptieren die Betroffenen das Ergebnis dann auch eher als das eines Gerichtsverfahrens.

Weitere Informationen zum Thema sowie die Kontaktdaten von Mediatoren können Sie zum Beispiel auf diesen Internetseiten finden:
mediation.anwaltverein.de
www.bmev.de
www.bmwa.de


Mehr zum Thema:

Stress mit dem Nachbarn, Ärger mit der Ex, Streit um eine Erbschaft: Oft liegt man mit Menschen über Kreuz, mit denen man es sich nicht auf Dauer verderben will. Dann kann ein Schlichter helfen – genauer: ein Mediator.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang