Drei Tüftler erzählen, was sie antreibt

So ticken Erfinder heute

Was haben das Auto, der Buchdruck und die Currywurst gemeinsam? Sie sind alle Erfindungen aus Deutschland – und dahinter stecken oft berühmte Personen. Heutzutage eher große Firmen. Doch auch „kleine“ Erfinder haben und ergreifen Chancen.

„Andere Lösungen für eine bessere Sicht haben mich einfach nicht überzeugt.“ Albert Keller, Kfz-Mechaniker aus Hintschingen. Foto: Karmann

„Andere Lösungen für eine bessere Sicht haben mich einfach nicht überzeugt.“ Albert Keller, Kfz-Mechaniker aus Hintschingen. Foto: Karmann

„Wegen Unkraut auf dem Boden kriechen – das ist doch Strafarbeit!“ Jürgen Handler, Werkzeugentwickler aus Appenweier. Foto: Karmann

„Wegen Unkraut auf dem Boden kriechen – das ist doch Strafarbeit!“ Jürgen Handler, Werkzeugentwickler aus Appenweier. Foto: Karmann

„Ich wollte schon immer einmal für mein eigenes Produkt arbeiten.“ Oliver Scheib, Konstrukteur aus Schweigen-Rechtenbach. Foto: Karmann

„Ich wollte schon immer einmal für mein eigenes Produkt arbeiten.“ Oliver Scheib, Konstrukteur aus Schweigen-Rechtenbach. Foto: Karmann

Nürnberg. Manches ist zu offensichtlich seltsam, da hilft kein Drumrumreden. „Ein Propeller auf dem Motorradhelm – das sieht schon ziemlich bekloppt aus“, sagt Albert Keller. „Aber es funktioniert!“

Keller ist im Alltag Kfz-Mechaniker. Aber gerade wirbt er auf der Erfindermesse „iENA“ in Nürnberg für eine Regenschutzscheibe, die er in der eigenen Werkstatt entwickelt hat. Sie wird per Saugnapf auf dem Helmvisier befestigt und hat einen Propeller, der sich im Fahrtwind dreht: Regentropfen werden so von der Scheibe geschleudert – und der Motorradfahrer blickt selbst im Dauerregen noch durch.

Sie sind hartnäckig und glauben an ihr Produkt

Sechs Jahre hat der Erfinder, selbst leidenschaftlicher Biker, für sein Patent gekämpft – weil er von seiner Scheibe überzeugt ist. Was der Markt sonst so an Lösungen für bessere Sicht hergibt, kam für ihn nicht infrage. „Die haben mich einfach nicht überzeugt.“

Hartnäckig sein, so lange tüfteln, bis endlich eine gute Lösung da ist – das ist typisch für Erfinder, die oft etwas speziell ticken. Auch wenn es darum geht, ihre Idee zu vermarkten, haben sie meist einen langen Atem. Denn sie glauben einfach an ihr Produkt.

„Manche Erfinder haben eine Vision“, sagt Karl-Werner Jäger, Vorsitzender des Deutschen Erfinderrings. Sie seien dann sehr von ihrer Idee eingenommen – „und auch mal ein wenig naiv und verträumt“. Aber es gebe auch die ganz bodenständigen Tüftler: „Viele haben sich einfach über was geärgert und wollen es besser machen.“

Zu ihnen gehört Jürgen Handler. Er arbeitet für die kleine Firma Schwarzwaldstände, die vor allem Gartenwerkzeuge verkauft. Vor drei Monaten hat seine Firma einen neuartigen flexiblen Mähkopf, den er entwickelt hat, zum Patent angemeldet. Das Besondere: Schnüre, die schnell rotierend zum Beispiel Gras schneiden, lassen sich in fünf verschiedenen Positionen anordnen, unter anderem als Bürste. Mit dem speziellen Schneidewerkzeug können Hobbygärtner auch bequem Fugen von Moos und Unkraut befreien. Das ist umso wichtiger, seit Pestizide für den privaten Einsatz daheim verboten sind. Von der althergebrachten Handarbeit mit dem Messer hält Handler gar nichts: „Wegen Unkraut auf dem Boden kriechen – das ist doch Strafarbeit!“

Anspruchsvolle Innovationen sind heute eigentlich nur noch die Sache großer Firmen. Aber gerade bei Alltagsgegenständen wie Gartenwerkzeugen oder Motorradzubehör hätten kleine Erfinder immer noch Chancen, erklärt Branchenkenner Jäger. Und dank des Internets könnten sie heute einfach und schnell viele potenzielle Kunden erreichen – und so womöglich ordentlich Geld verdienen.

Die Bereitschaft zum Risiko ist da

Darauf hoffen sie alle. Auch Oliver Scheib. Er hat bis vor kurzem als selbstständiger Konstrukteur gearbeitet. Das hat er fürs Erste aufgegeben, er setzt jetzt all seine Energie in ein gebogenes Fitness- und Massagegerät, das er selbst entworfen hat. „Ich wollte schon immer einmal für mein eigenes Produkt arbeiten“, sagt er.

Aktuell dreht sich alles um die Vermarktung der Idee. „Ich lebe jetzt erst mal von Ersparnissen, um das Projekt anzuschieben“, erklärt Scheib. Aber bald will er so viel verdienen, dass er damit seine Familie ernähren kann. Er hofft auf Hotelketten, die ihm große Stückzahlen abnehmen.

Der Erfinder geht mit seiner Strategie ein großes finanzielles Wagnis ein. Das weiß er. Aber: „Ich hätte es mir niemals verzeihen können, es nicht versucht zu haben“, sagt er. „Risiko gehört zum Leben dazu.“


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