Innovation

So sieht medizinischer Fortschritt aus


Gesundheit, Ökologie: Siemens setzt auf Boom-Märkte

Mannheim. Hoffnung für Krebspatienten: Im November 2009 wurde in Heidelberg das neue „Ionenstrahl-Therapiezentrum“ eröffnet. Die Anlage ist weltweit einzigartig. Sie funk­tioniert so: Ein Strahl aus Ionen, also elektrisch geladenen Molekülen, trifft den Tumor mit bis zu drei Viertel dern Lichtgeschwindigkeit. Punktgenau, damit das umliegende Gewebe geschont wird. 

Das ist Hightech aus Deutsch­land. Siemens lieferte die Bestrahlungstechnik, die „robotergesteuerte Patienten-Positionierung“ und die gesamte Steuerungssoftware. Das Unternehmen profitiert vom medizinischen Fortschritt, ebenso wie von Umwelttechnologien. Dass es früh auf diese Standbeine gesetzt hat, zahlt sich in diesen schwierigen Zeiten aus. „Auf mehreren Beinen steht es sich stabiler“, sagt Thomas Seiler, Leiter der Niederlassung Mannheim.

Ausgleich für schwächelnde Sparten

Die Konsequenz: „Siemens spürt die Krise, ist aber selbst nicht in der Krise.“ So lag der Konzern-Umsatz im Geschäftsjahr 2009 mit gut 81 Milliarden Euro fast auf Vorjahresniveau. Obwohl einzelne Sparten wie Antriebs- und Automatisierungstechnik nicht so gut laufen.

Am Standort Mannheim arbeiten 1.200 Leute, vor allem Ingenieure. Sie koordinieren alle Aufträge für die Bereiche Industrie, Energie und Gesundheitstechnik, die aus Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und dem nördlichen Baden-Württemberg eingehen. Egal, ob der Kunde eine Ampel oder ein Kraftwerk bestellt: Sie prüfen etwa, an welchen Standorten die Produkte am besten entwickelt und gefertigt werden können. Seit 2006 wurden in die Modernisierung der Niederlassung Mannheim 12 Millionen Euro gesteckt.

Vor allem „grüne Technik“ ist auf dem Vormarsch. Ihr Umsatzanteil noch vor fünf Jahren: null. Zuletzt trug sie zum Konzern-Umsatz fast 30 Prozent bei. Beispiel: Ein Rechner steuert vollauto­matisch den Verkehr um die Mannheimer „SAP-Arena“, da­­mit es keinen Stau gibt – und we­niger  Emissionen.

Fast täglich ein neues Patent

Nach einem Auftragsrückgang um 14 Prozent in 2009 rechnet Siemens in diesem Jahr mit einem Minus von 5 Prozent. Seiler: „Wir brauchen bis 2013, um wieder das Niveau von 2008 zu erreichen. Das schaffen wir nur, wenn wir den Schwenk auf Zukunftstechnologien noch schneller bewältigen.“

Auf die Innovationen des Konzerns in der Medizintechnik ist Seiler besonders stolz: „Schließlich hat die Medizintechnik mit Röntgen ihren Ursprung bei Siemens“, sagt der Niederlassungsleiter. „Heute gibt es hier unglaub­liche Quantensprünge und fast täglich ein neues Patent.“

In dem neuen Heidelberger Therapiezentrum testen Me­diziner bereits neue Behandlungsformen. Der Ärztliche Direk­­­tor Professor Jürgen Debus sagt: „In den nächsten ­Jahren werden wir die Ionenstrahl-Therapie bei häufigen ­Tumoren wie dem Prostata-Krebs, aber auch bei Tumoren im Kindesalter wissenschaftlich untersuchen.“ Künftig sollen dort rund 1.300 Patienten pro Jahr behandelt werden.   

Info: Jobmotor Medizintechnik

Für Hersteller von Medizintechnik sind die Zeiten gar nicht schlecht: Die Unternehmen dieser Branche sind im vergangenen Jahr durchschnittlich um knapp 4 Prozent gewachsen. Das ergab jetzt eine Umfrage des Bundesverbands Medizintechnik. Dessen 220 Mitgliedsbetriebe haben im Krisenjahr 2009 rund 4.200 neue Arbeitsplätze geschaffen. Insgesamt arbeiten bundesweit mehr als 175.000 Menschen bei Medizintechnik-Firmen.

www.bvmed.de

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