Statistiker liefern brutale Daten zur Bevölkerungsentwicklung

So sieht Deutschlands Zukunft aus: Immer weniger Arbeitskräfte!

Wiesbaden/Köln. Wir sind unterwegs in ein anderes Land. Unaufhaltsam. Die Richtung haben mehrere Generationen vorgegeben, die alles in allem zu wenige Kinder zeugten. Der vorgezeichnete Weg führt uns in ein Deutschland, in dem viel weniger Menschen leben als heute. Aber viel mehr ältere Mitbürger. Und damit vor allem – viel weniger Arbeitskräfte.

Wie dramatisch die Lage werden kann, hat ganz sachlich das Statistische Bundesamt in Wiesbaden kundgetan. Mit der „13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung“, die erstmals die Ergebnisse der neuesten Volkszählung aus dem Jahr 2011 berücksichtigt.

Eine zentrale Erkenntnis: „Die Anzahl der Menschen im Erwerbsalter wird stark schrumpfen.“ So sagt es Roderich Egeler, Präsident der Statistik-Behörde.

Aber – kommt denn nicht genau deswegen schon die Rente mit 67? Und registriert die Bundesrepublik nicht deutlich mehr Zuwanderer als früher? Beides richtig, aber: beides schon einkalkuliert.

Nur mal angenommen, alle Einwohner von 20 bis 66 stehen stets gesund und munter parat: Dann gibt es heute 51,4 Millionen Erwerbsfähige. Schon in den nächsten 15 Jahren sinkt diese Zahl um rund 5 Millionen! Und dabei wird es nicht bleiben – über Jahrzehnte wird das deutsche „Erwerbspersonenpotenzial“ immer geringer.

Wobei das Statistische Bundesamt in diesem Szenario davon ausgeht, dass die Geburtenrate weiterhin bei 1,4 Kindern pro Frau liegen wird. Dass die Lebenserwartung weiter ansteigt. Und dass die derzeit hohe Zuwanderung wieder etwas nachlässt, aber dennoch „bis 2060 per saldo insgesamt 6,3 Millionen Personen nach Deutschland zuwandern“.

So oder so ist klar: Deutlich weniger Menschen zwischen 20 und 67 müssen bald deutlich mehr Rentner ernähren als heute (auf destatis.de kann man sich das interaktiv vor Augen führen).

Wie kommen wir ohne soziale Umwälzungen aus diesem Dilemma heraus? Wo könnte die Politik ansetzen?

„Der eindeutig wichtigste Hebel ist die Erwerbsbeteiligung der Älteren“, sagt Wido Geis, ein Experte für solche Fragen am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). „Wir müssen Anreize schaffen, jenseits der 66 im Arbeitsleben zu bleiben.“

Bessere Betreuung von Kindern im Grundschulalter

Ein Beispiel: Auch im Rentenalter weiter für den Betrieb zu arbeiten – das sollte viel einfacher als derzeit möglich sein. „Und zwar mit befristeten Verträgen und ohne Sozialversicherungsbeiträge“, so Geis.

Ein zweiter wichtiger Punkt: die Beteiligung von Frauen. Derzeit arbeiten bei uns nur 39 von 100 Frauen Vollzeit – in Frankreich dagegen sind es 46, der EU-Schnitt liegt bei 43. „Hier sollten wir das inländische Potenzial noch besser ausschöpfen“, sagt Geis, „zum Beispiel durch eine bessere Ganztagsbetreuung von Kindern vor allem im Grundschulalter.“

Drittens kann verstärkte Einwanderung von qualifizierten Kräften helfen. „Die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen sollte noch einfacher und transparenter werden“, fordert der IW-Forscher. Deutschland sollte seinen Arbeitsmarkt zudem stärker öffnen – „und gezielt in demografiestarken Staaten wie etwa Indien und Indonesien um Arbeitskräfte werben“.

Auf dauerhaft starke Zuwanderung aus Süd- und Osteuropa dürfen wir nämlich nicht hoffen. Das macht der Präsident des Statistischen Bundesamts klar. Denn auch im Süden und Osten Europas altert die Bevölkerung. „Das Abwanderungspotenzial wird dadurch abnehmen“, sagt Egeler, „sodass in Deutschland künftig voraussichtlich mit deutlich weniger Zuzug aus seinen derzeit wichtigsten Herkunftsregionen zu rechnen ist.“


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