Grüne Energie

So lässt sich Strom parken


Marl. Wind, Sonne, Wasser: Strom lässt sich umweltfreundlich herstellen. Doch die erneuerbaren Energien werden nicht genau dann produziert, wenn man Strom braucht – Schwankungen werden zu einem Riesenproblem. Michael Träger, Geschäftsführer des Chemie-Unternehmens Vestolit in Marl, hat dafür eine handfeste Idee parat: Er will überschüssige Energie in Chemieprodukten parken.

Hintergrund: Mit Strom kann man Wasser in Sauer- und Wasserstoff spalten (Elektrolyse). Verbrennt man den Wasserstoff, lässt sich daraus wieder Strom gewinnen. Oder man speist das Gas zu Methan angereichert ins Erdgasnetz ein. Das testen gerade die Energiekonzerne RWE und Eon sowie der Autohersteller Audi in Pilotprojekten nahe an Windparks.

Pilotprojekte? Die braucht man doch gar nicht, meint Vestolit-Chef Träger: „Wasserstoff produzieren wir auch. Da muss man das Rad nicht neu erfinden.“ Als einer der größten PVC-Hersteller Europas betreibt die Firma im Chemiepark Marl eine Membran-Elektrolyse. Hier spaltet Strom Salzmoleküle: Es entstehen Chlor, Natronlauge und Wasserstoff. „Wir könnten unsere Anlagen für die Netzregulierung zur Verfügung stellen“, sagt er.

Die bereits vorhandenen Anlagen nutzen

Trägers Idee: „Wir fahren die Produktion hoch, wenn ein Stromüberangebot da ist. Und zurück bei Knappheit.“ Das Rauf- und Runterfahren schadet dem Vorgang nicht. „Man sollte erst mal die Elektrolysen nutzen, die wir schon haben, bevor man neue auf der grünen Wiese baut“, so der PVC-Produzent.

In Deutschland stehen elf solcher Anlagen. Bisher sind sie nicht maximal ausgelastet, weiß Träger, der bis Ende 2012 Vorsitzender des europäischen Verbands der chlorchemischen Industrie (Euro Chlor) war.

Er kann sich vorstellen, im ersten Schritt seine Anlagen mit dem überzähligen Strom zu 100 Prozent auszulasten. Und im zweiten, sich ein zusätzliches Modul und Speichertanks anzuschaffen – nur um Stromspitzen abzufangen.

„Die Politik sollte uns behandeln wie ein Back-up-Kraftwerk“, schlägt der Unternehmer vor. „Der Betreiber wird dafür bezahlt, dass er es bereithält.“ Unterm Strich käme dies viel billiger als andere Speichermethoden. „Wir haben eine bewährte Technologie mit hohem Wirkungsgrad und eine existierende Infrastruktur.“

Zustimmung kommt aus der Wissenschaft: „Diese Idee kann ein Teil der Lösungen für die Probleme sein, die uns bei der Energiewende bevorstehen“, urteilt Professor Andreas Friedrich vom DLR-Institut für Technische Thermodynamik in Stuttgart. Es müsse jedoch ein Anreizsystem geschaffen werden.

Spannend wird die Sache beim weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien: Wenn der Anteil des Öko-Stroms ab 2020 auf mehr als 40 Prozent steigt, wird es einen riesigen Bedarf an Speichertechnologien geben. Friedrich: „Die Frage ist, welcher Weg mit den geringsten Zusatzkosten verbunden ist.“

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