Schlagloch-Alarm

So geht’s nicht weiter


Gefährliches Pflaster: Wenn sich Tauwasser ansammelt, kann der Autofahrer die Tiefe des Schlaglochs nicht erkennen. Foto: Roth

Autofahrer zahlen Milliarden – doch für den Straßenbau fehlt Geld

München/Berlin. Zwei Tage Vollsperrung wegen Frostschäden – auf einer Autobahn mitten in Deutschland! Während Bauarbeiter die A7 bei Göttingen notdürftig ausbesserten, wälzten sich mehr als 130.000 umgeleitete Autos und Lkws über Landstraßen. Und auch dort reiht sich Schlagloch an Schlagloch.

Haushaltslöcher gestopft

Deutschland wird zur Rüttelpiste. „Schuld daran ist nicht allein der harte Winter“, sagt Andreas Hölzel vom ADAC: „In den vergangenen Jahren wurde viel zu wenig Geld in den Straßenbau investiert.“ Dabei zahlen die Autofahrer mehr als genug.

Knapp 9 Milliarden Euro im Jahr nimmt die öffentliche Hand durch die Kfz-Steuer ein. Dazu kommen 35 Milliarden Euro Mineralölsteuer, 6 Milliarden Euro Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe und rund 3 Milliarden Euro Lkw-Maut. Macht unterm Strich 53 Milliarden Euro.

Doch Bund, Länder und Kommunen lassen sich das Straßennetz nur 17 Milliarden Euro im Jahr kosten. Mit dem großen Rest werden Haushaltslöcher gefüllt.

Ein Sparkurs mit dramatischen Folgen. „2011 wird das Jahr  der Schlaglöcher, besonders in den Städten“, sagt Harald Kraus. Er sitzt in der „Schlagloch-Zentrale“ des Automobilclubs ACE. Dort kann jedermann Fahrbahnschäden melden (www.ace-online.de/Schlaglochmelder).

Wenn Kraus anschließend die zuständige Behörde um Behebung bittet, macht er immer häufiger ernüchternde Erfahrungen. „Gerade hat mir zum Beispiel die Stadt Stuttgart geantwortet“, berichtet er. Wortlaut: „Der Schaden ist bekannt. Für die Sanierung fehlt das Geld.“

Infrastruktur verfällt

So geht es den meisten Städten. 61 Prozent der Kommunen fahren ihre Ausgaben für Straßenbau wegen klammer Kassen zurück. Gerd Landsberg, Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, klagt: „Für den kommunalen Straßenbau stehen 5 Milliarden Euro jährlich zur Verfügung. Wir bräuchten eigentlich das Doppelte, damit die Infrastruktur nicht verfällt.“

Deshalb seien schon nach den Frostperioden der vergangenen Jahre nicht alle Schäden dauerhaft beseitigt worden, sagt Landsberg. So lange die Städte von Bund und Ländern nicht mehr Geld bekämen, müssten sich die Bürger „unweigerlich auf eine Verschlechterung der Verkehrsverhältnisse einstellen“.

Jede zweite kommunale Strecke könnte im Frühjahr  massiv beschädigt sein, warnt der ADAC. Auf den Landstraßen sieht es nicht viel besser aus. In Baden-Württemberg etwa gelten 40 Prozent als sanierungsbedürftig.

Und auf den Autobahnen sollen Tempolimits Unfälle durch Schlaglöcher verhindern. „Dabei müssten dort sieben Milliarden Euro im Jahr investiert werden, statt nur fünf“, so Verkehrs-Experte Hölzel. Zurzeit aber bleibt den Straßenmeistereien nur Flickschusterei. Ein Loch mit Kalt­asphalt füllen – das kostet gerade mal 50 bis 100 Euro, so der ACE.

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