Tiefbau

So geht es günstiger


Innovative Baustoffe aus der Textilindustrie können ein Drittel der Kosten sparen

Brüssel. Schwierige Bodenverhältnisse, instabiler Untergrund: Da muss eine Straße teurer werden als gedacht, oder? Im Gegenteil! Manch kniffliges Projekt kann sogar günstiger zu stemmen sein – wenn auf Geotextilien statt auf klassische Baustoffe gesetzt wird. Das zeigen Autobahn-Sanierungen, Straßenrand-Böschungen oder auch Deponie-Abdeckungen.

Abgedeckte Altlasten

„Ein Drittel der Kosten kann man locker sparen.“ So lassen sich die Erfahrungen aus der Praxis zusammenfassen, die vier Experten in Brüssel vorgetragen haben. Sie warben dort auf Initiative der Zukunftsinitiative Textil NRW für die innovativen Leistungen ihrer Unternehmen.

So Sven Schröer, Exportleiter der Firma Huesker Synthetic aus Gescher. Deren Produkte bringen unter anderem heikle Altlasten im Boden unter Kontrolle: durch die Abdeckung mit riesigen Planen, auf die dann neuer Boden aufgetragen werden kann.

Damit entfällt der teure Abtransport des belasteten Erdreichs, wie Schröer für das schlammige BleicherdeBecken Wittenberge in Brandenburg zeigte.

Zum Einsatz kamen hier riesige, extrem stabile Gewebebahnen aus Polyvinylalkohol.Auch „Geokomposite“ aus polyesterbewehrtemVliesstoff trennen laut Schröer weiche Böden zuverlässig vom Schüttmaterial.

Aufnahmen einer prominenten Baustelle bot Professor Jochen Müller-Rochholz: vom Bau des Airbus-Werks im Mühlenberger Loch. „Das hätte man ohne Geotextilien nicht hinbekommen“, betonte der Chef des Grevener Instituts tBU.

Sand-Säulen in textiler Hülle stabilisierten den Hamburger Untergrund, Filtervliese entwässerten ihn. Müller-Rochholz zeigte dann auch, wie man ohne Beton „steiler bauen kann, als der Boden es eigentlich zulässt“: Durch den Einsatz von Polyestergewebe etwa, das eine Steilwand an der A5 bei Rastatt in Form hält. Darauf wachsen Pflanzen: „Man erhält grüne Wände, die weniger Instandsetzung brauchen und die Kanalisation entlasten. Man kann mit Geotextilien billiger und schöner bauen.“

Das weiß auch die Espelkamper Firma Naue. Bauberater Jörg Klompmaker berichtete, wie die langgezogene Steilkurve einer Ortsumgehung 36 Prozent günstiger wurde als geplant. Und dass das Projekt am Ende auch ökologisch besser dastand: „Der kumulierte Energiebedarf ist viel geringer.“

Klompmaker sprach dabei stets von „Geokunststoffen“: Die Grenzen zwischen der Textil- und Kunststoff-Branche sind hier längst fließend geworden.

Wobei sich darüber weniger nachzudenken lohnt als darüber, wie man das moderne Material in die Köpfe der Bauindustrie bringt – in „Betonköpfe“, wie Professor Müller-Rochholz provokant sagte.

Ungenutzte Möglichkeiten

Helmut Kroth, der Chef der Tensar-Niederlassung in Bonn, betonte denn auch: „Unsere Produkte werden erst für 10 Prozent der möglichen Einsätze genutzt.“ Eines seiner Praxis-Beispiele: Die Sanierung einer Autobahntrasse bei Frankfurt. Glasfaserverstärkte Vliesstoffe unter der neuen Deckschicht machen es möglich, den darunter liegenden Teil der maroden Straße einfach weiter zu benutzen.

Info: Lese-Stoff und viele Fotos

Wer mehr zum Thema wissen will, kann sich jetzt kostenlos mehr als 100 Folien der Brüsseler Vorträge mit vielen Bildern aus dem Netz fischen. Download unter www.zitex.de (Rubrik „Publikationen“, dann „Dokumentationen“).

Eher an Fortgeschrittene richtet sich der Tagungsband zum „Bautex“-Symposium in Chemnitz: Er dokumentiert ein Dutzend Fachvorträge und kostet 30 Euro. Bestellung über www.geokunststoffe.com (ganz unten auf „Bautex“ klicken).

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