Forstwissenschaftler im Interview

So gefährdet der Klimawandel den deutschen Wald

Göttingen. Die Temperaturen steigen in den nächsten Jahren immer weiter. Wie beeinträchtigt der Klimawandel unseren Wald? AKTIV sprach mit Professor Christian Ammer, Forstwissenschaftler an der Universität Göttingen.

Wie geht es unserem Wald?
Im Vergleich zu den 80er-Jahren gut. Damals kam es zum großen Waldsterben aufgrund des Schwefeldioxid-Ausstoßes, der aber in den vergangenen Jahren konsequent reduziert wurde. Das sollte auch beim Stickstoff geschehen. Vor allem Pflanzenbau und Tierproduktion führen zu einem Stickstoff-Überschuss.

Stickstoff ist doch ein Nährstoff. Wo ist das Problem?
Die Waldböden können die hohe Konzentration irgendwann nicht mehr halten. Die Folge ist, dass Stickstoff als krebserregendes Nitrat austritt und unser Trinkwaser gefährdet. Eine andere Gefahr ist der Klimawandel.

Warum?
Einige Baumarten vertragen die steigenden Temperaturen und die geringen Niederschläge nicht. Vor allem die Fichte ist bedroht, die wirtschaftlich wichtigste Art. Sie ist anfällig für den Borkenkäfer, der bei Wärme und Trockenheit aktiv wird.

Was tut die Forstwirtschaft dagegen?
Zum einen dünnt man in bestimmten Flächen den Baumbestand aus. So bekommen die verbleibenden Bäume mehr Feuchtigkeit aus dem Boden. Außerdem setzt man auf Mischbestände und denkt dabei auch über nicht heimische Arten nach, wie zum Beispiel die Douglasie aus Nordamerika.

Dann wachsen in Deutschland bald exotische Bäume?
Nein, das nicht. Aber die Zusammensetzung der Wälder wird sich verändern. Dies dauert Jahrzehnte, weil die Bäume so langlebig sind. Genau das ist das Problem beim Klimawandel: Bäume können sich nicht mal so eben den Veränderungen anpassen.


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