Raus aus dem Stau

So gäbe es wieder mehr freie Fahrt


Stop and go: Baustellen sind der Grund für viel Stillstand auf den Autobahnen. Foto: dpa

Aachen. Die Ferienzeit ist vorbei – und der tägliche Weg zur Arbeit wird für manche wieder zur Geduldsprobe. Durchschnittlich 36 Stunden im Jahr steht der deutsche Autofahrer im Stau. Die meiste Zeit verlieren laut US-Beratungsfirma Inrix die Stuttgarter (58 Stunden), die Kölner (57) und die Hamburger (56).

„Auch in der Nacht arbeiten“

Allein auf Autobahnen kosten Staus die Volkswirtschaft jährlich 10 Milliarden Euro, so die Bundesanstalt für Straßenwesen. Häufigste Ursache: die jährlich rund 800 Baustellen von längerer Dauer.

„Das muss nicht sein“, meint Dirk Kemper, Forscher am Institut für Straßenwesen an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen. „Zwar sind die Baustellen nötig, viele Straßen sind ja sanierungsbedürftig. Doch die Staus ließen sich stark reduzieren.“
Ein Drittel, so schätzt Kemper, könnte an Stauzeit vermieden werden. Der Experte, der das Geschehen an deutschen Baustellen seit Jahren beobachtet und analysiert, sieht dringenden Verbesserungsbedarf vor allem an drei Stellen:

● Zusätzliche Nachtarbeit. „Um schnellstmöglich fertig zu werden“, so Kemper, „sollte man bei längerfristigen Maßnahmen auf hochbelasteten Strecken auch in der Nacht arbeiten.“ Das ist freilich eine Kostenfrage: Nach acht Uhr abends bekommen die Bauarbeiter laut Tarif einen Lohnzuschlag von 20 Prozent. Für Einsätze am Sonntag gibt’s sogar 75 Prozent obendrauf. Bislang gibt es dafür in den staatlich ausgeschriebenen Aufträgen kaum Spielraum.

● Breitere Fahrstreifen. Zu enge Spuren, oft nur 1,90 Meter, führen häufig zu Staus: Selbst wenn es nicht gleich scheppert, geht es nur besonders langsam voran. Die amtlichen Richtlinien für die Wahl der Fahrstreifenbreite entsprechen nicht mehr der heutigen Fahrzeugflotte. „Die meisten Mittelklassewagen sind in den vergangenen Jahren immer breiter gebaut worden“, gibt Kemper zu bedenken.

● Besseres Zeitmanagement. „Die Straßenbau-Behörden der Bundesländer müssen in ihren Ausschreibungen die Bauzeiten viel exakter kalkulieren“, betont Kemper. „Wenn die Baufirmen zu viel Zeit haben, stehen die Arbeitsstellen oft still – bei zu wenig Zeit dagegen können leicht Fehler entstehen.“ Da den richtigen Mittelweg zu finden, gelinge in der Praxis viel zu selten.

Nordrhein-Westfalen hat jetzt ein Pilotprojekt gewagt: Bis Ende September ist die A 40 im Herzen des Ruhrpotts drei Monate lang für den Verkehr voll gesperrt. Und das befürchtete Chaos blieb aus. „Das zeigt, dass bei umfangreichen Maßnahmen eine Vollsperrung ein guter Plan sein kann, sofern geeignete Alternativrouten vorhanden sind“, bilanziert der Experte.

Vielleicht kommt ja auch noch Schützenhilfe aus der Industrie. Im Konsortium „Autobaulog“ (www.autobaulog.de) untersuchen Wissenschaftler, IT- und Bau-Unternehmen, wie man die Baumaschinen intelligent miteinander vernetzen kann.

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Schlagwörter: Verkehr

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