Wirtschaftliche Lage entzweit Tarifpartner

Situation der Chemie-Branche rechtfertigt weder mehr Geld noch kürzere Arbeitszeiten

Trotz aller Mühe: Die Produktivität stagniert. Foto: dpa

Hannover. Mehr Geld und kürzere Wochenarbeitszeiten für Ältere: So lautet die Forderung der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie für die 550.000 Beschäftigten der deutschen Chemie-Industrie. Die Arbeitgeber kontern, das passe überhaupt nicht zur wirtschaftlichen Lage der Branche.

Trotz der sich eintrübenden Konjunktur hält Peter Hausmann, Tarifpolitiker der Gewerkschaft, eine Erhöhung der Entgelte zwischen 4 und 5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten für angemessen. Selbst wenn die Wirtschaft „vermutlich weniger stark, als noch vor kurzem erwartet“, wachse.

Fakt ist: Krisenherde in aller Welt, harter Wettbewerb aus Amerika und Asien sowie eine schwache Nachfrage aus Europa belasten die Industrie erheblich, immer wieder korrigieren die Konjunkturforscher ihre Prognosen nach unten. „Bei stagnierender Produktivität und einer Inflation im Null-Komma-Bereich gibt es den Verteilungsspielraum für die geforderte Tariferhöhung nicht einmal ansatzweise“, sagt Hans-Carsten Hansen, Tarifverhandlungsführer des Bundesarbeitgeberverbands Chemie.

Auch Klaus-Peter Stiller, Hauptgeschäftsführer des Verbands, verweist auf die „gedrosselte Produktion“ und „rückläufige Erzeugerpreise“. Er fordert eine realistische Entgeltpolitik: „Wir verhandeln einen Flächentarif, den alle Unternehmen der Branche verkraften können müssen.“

Auch bei der geplanten Fortsetzung des Tarifvertrags „Lebensarbeitszeit und Demografie“ klafft eine Lücke. Die Gewerkschaft will die Arbeitszeit für 60-Jährige auf vier bis drei Tage reduzieren. „Ein flächendeckendes Frühverrentungsmodell ab 60 wird es mit uns nicht geben“, stellt Stiller klar. Die demografische Entwicklung erzwinge einen Mentalitätswandel in der Arbeitswelt.

Die Verhandlungen der Chemie-Tarifrunde starten Anfang 2015.


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