Leitartikel

Sigmar Gabriels Hängepartie

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Ein Viertel aller in Deutschland verbrauchten Energie wird in privaten Wohnhäusern in Wärme umgewandelt. Mehr Effizienz wäre gut: für unsere Geldbeutel, für den Klimaschutz und auch damit wir Wladimir Putins jüngste Androhung eines Gaspreis-Schocks ein wenig gelassener verfolgen können.

Doch während für die Industrie das Investieren Alltag ist, tut sich zu Hause kaum was. In den Fabriken (die ein weiteres Viertel der Energie verbrauchen) stieg die Effizienz in den letzten 20 Jahren um 35 Prozent. Wir dagegen stottern unsere eigenen vier Wände ab oder hoffen, dass man uns die Miete nicht erhöht – für einen neuen Heizkessel oder intelligente Dämmung haben wir keinen Kopf. Anstoß geben kann bei so was nur die Politik. Konkret der dafür zuständige Wirtschaftsminister, Sigmar Gabriel.

Und der Mann hat Nerven. Im Herbst will er endlich den im Koalitionsvertrag angekündigten „Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz“ vorlegen. Und wohl erst 2016 die energetische Gebäudesanierung richtig anschieben. Eigentlich will Deutschland den Verbrauch in diesem Bereich von 2008 bis 2020 um 20 Prozent senken. Zur Halbzeit sind Experten zufolge nur 3,5 Prozent geschafft.

Warum gibt sich der Fiskus, der den Routinebesuch des Schornsteinfegers belohnt, knauserig beim Befreiungsschlag gegen die heimische Energieverschwendung? Selbst ein zaghafter Vorstoß aus dem Jahr 2010 zur steuerlichen Förderung blieb im Abstimmungsverfahren von Bund und Ländern stecken.

Viele Deutsche zögern, wie man von Bausparkassen hört, ihre massiven Ersparnisse zu mobilisieren. Es fehlt die Initialzündung. Herr Gabriel, bitte Tempo!


Artikelfunktionen


Schlagwörter: Energie Politik

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang