Arbeitsmarkt

Sie haben ihre Chance genutzt


Beispiel „Start“: Wie Zeitarbeit hilft, wieder Tritt zu fassen

Witten. Gabelstapler fahren, Bleche zuschneiden, Qualitätskontrolle, Versand: Karsten Meisters Job ist nie langweilig. Jetzt greift der Mann zu einem Messgerät. Er hält es von oben ganz nah an ein Blech, ein grelles Licht zuckt, Meister schaut auf einen Bildschirm – und weiß nun, wie viel Eisen, Chrom, Vanadium und Mangan in dem Metall steckt. „Die Legierung muss stimmen, sonst gibt es Ärger.“

Der 22-Jährige arbeitet seit Anfang des Jahres bei der Friedr. Lohmann GmbH in Witten am südlichen Rand des Ruhrgebiets. Das Unternehmen mit 320 Mitarbeitern produziert Spezialstähle sowie Gussteile, etwa für Werkzeuge, Kreissägen und Transportbänder.

Angefangen hatte Meister als Zeitarbeitnehmer bei „Start“. Doch seit Juni gehört er zur Stammbelegschaft. „Es ist eben prima gelaufen“, meint er.

Bevor der gelernte Elektroinstallateur zu Lohmann kam, war er arbeitslos. Hatte 25 Bewerbungen geschrieben – ohne Erfolg. Doch dann gab ihm ein Bekannter einen Tipp: Bewirb dich doch mal bei Start-Zeitarbeit!

Meister macht’s, bekommt auf Anhieb eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Schon zwei Tage später kann er bei Lohmann loslegen.

Auch sein Kollege Michael Döhrer lernte über Start den Stahlbetrieb kennen. Noch wird er hier als Zeitarbeitnehmer eingesetzt. Aber schon bald dürfte der Lagerarbeiter zur Stammcrew wechseln. Friedrich Lohmann-Voß, Geschäftsführer des Stahlbetriebs: „Alles spricht für ihn.“

Start ist kein kommerzielles Zeitarbeitsunternehmen. Es will vor allem solchen Menschen wieder eine neue Beschäftigung geben, die sich auf dem Arbeitsmarkt schwer tun. So sind die Hälfte der Leiharbeiter ehemalige Langzeitarbeitslose.

Falls ein Bewerber ein Defizit hat, finanziert Start in Abstimmung mit dem Arbeitsamt Fortbildungskurse. Karsten Meister beispielsweise machte für seinen Lohmann-Einsatz den Gabelstaplerschein.

Bessere Bezahlung

Gesellschafter von Start ist unter anderem das Land Nordrhein-Westfalen. „Trotzdem sind wir kein Sozialverein. Öffentliche Zuschüsse gibt es nicht“, betont Gerhard Wacker, Niederlassungsleiter für Witten und Hagen. Dabei zahlt Start mehr als in der Branche üblich. Wacker: „Unser Einstiegsgehalt liegt bei 7,60 Euro in der Stunde. Klar, dadurch machen wir natürlich weniger Gewinn.“ Für die Kunden ist die Dienstleistung aber nicht teurer als bei jeder anderen Leiharbeitsfirma. Und die schwören auf Start. So hat Lohmann bis heute 121 Leihkräfte angeheuert. Und davon 38 fest übernommen, eine Quote von rund 30 Prozent.

Das deckt sich mit der Statistik des Bundesverbandes Zeitarbeit (BZA): Demnach wechselt fast jeder dritte Zeitarbeitnehmer über kurz oder lang zum Entleihbetrieb.

Lückenfüller auf die Schnelle

Lohmann hat derzeit zwölf solcher Kräfte unter Vertrag. Geschäftsführer Lohmann-Voß: „Wir wachsen kräftig, brauchen Verstärkung. Gute Fachkräfte sind jedoch rar. Deshalb greifen wir auf Zeitarbeitnehmer zurück.“

Damit wird deutlich, wie wichtig sie sind: Wenn es wieder einmal in einer Firma „brennt“ und Aufträge schnell raus müssen, springen Zeitarbeitunternehmen in die Bresche. Würde der Kundenbetrieb neue Mitarbeiter über das Arbeitsamt suchen, ginge zu viel Zeit ins Land. Andererseits: Wenn es plötzlich zu einer Flaute kommt, muss die Zeitarbeitsfirma den Lohn weiter bezahlen und sich um einen neuen Kunden bemühen. Sie trägt also das Beschäftigungsrisiko.

Trotzdem werden wir kein Volk von Leiharbeitern, auch wenn die Branche boomt. So zählt Deutschlands wichtigster Industriezweig Metall und Elektro nur 150.000 Zeitarbeitnehmer, gut 4 Prozent aller Beschäftigten.

Stichwort „Start“

Der Erfolg spricht für sich: Seit der Gründung 1995 bis Ende 2006 hat „Start“ in Nordrhein-Westfalen (NRW) 23.300 ehemalige Arbeitslose als Zeitarbeitnehmer eingestellt. Derzeit stehen 2.800 Arbeitnehmer auf der Lohnliste.

Fast 45 Prozent der Leihkräfte werden von den Kundenbetrieben übernommen (Branchenschnitt: rund 30 Prozent). Zu den Aufgaben von Start gehört auch die Qualifizierung, etwa von schwer Vermittelbaren. Gesellschafter sind unter anderem das Land NRW, die Landesvereinigung der nordrhein-westfälischen Arbeitgeberverbände, der Deutsche Gewerkschaftsbund und Landkreise.

Artikelfunktionen


Schlagwörter: Ausbildung

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang