Zeitarbeit

Sie haben die Chance genutzt


Weil die Betriebe weiter wachsen wollen, sind sie auf Zeitarbeitnehmer angewiesen.

Seine Arbeit erinnert an ein Puzzle-Spiel. Geduldig fügt Frank Schmidt große flache Kunststoffteile zusammen. Die Anordnung muss genau stimmen, der Fenster-Ausschnitt exakt an der richtigen Stelle sein. Der 45-Jährige arbeitet an der Innenverkleidung für ein Frachtflugzeug. Fertig montiert werden die Teile an Airbus geliefert.

Schmidt ist froh, dass er im vergangenen Herbst bei der Firma Erwin Halder im schwäbischen Achstetten eine feste Stelle bekommen hat. Vor zwei Jahren war der gelernte Maschinenbau-Meister arbeitslos geworden. Dann heuerte er bei einer Zeitarbeitsfirma an – mit Erfolg. Nach sieben Monaten gab Geschäftsführer Stefan Halder ihm schließlich einen festen Vertrag.

Das Beispiel zeigt: Zeitarbeit ist für viele Menschen ein Sprungbrett zurück ins  Berufsleben. Und: Es sind längst nicht nur Hilfsarbeiter, die über Zeitarbeitsfirmen den erneuten Einstieg schaffen.

Zwar haben 33 Prozent der bundesweit rund 700.000 Zeitarbeitnehmer keine Ausbildung. Aber: Immerhin jeder vierte ist Schlosser, Mechaniker, Montierer, Metallverarbeiter oder Elektriker. Auf die technischen Berufe entfallen weitere 4 Prozent. Dazu zählen Ingenieure. Und Maschinenbaumeister wie Frank Schmidt.

Sein Arbeitgeber (180 Beschäftigte) produziert Schonhämmer, Normteile für den Maschinen- und Vorrichtungsbau, Teile zum Befestigen von Werkstücken sowie Erzeugnisse für die Luftfahrtindustrie. Und da sind Fachkräfte wie der Meister Schmidt gefragt.

Ideal für befristete Jobs

Auch ProMinent in Heidelberg  greift  öfter  auf  Zeitarbeitnehmer zurück. Das Unternehmen fertigt vor allem Spezialpumpen, etwa zum Dosieren von Chemikalien für die Wasseraufbereitung.

Yury Bystrov schaut gebannt auf seinen Computer. Der Bildschirm zeigt die dreidimensionale Darstellung einer Pumpe. Neben dem Ingenieur liegt eine  Konstruktionszeichnung. Die muss er digitalisieren, fürs elek-tronische Archiv.

Vor neun Jahren hatte ProMinent ein Unternehmen übernommen, das ebenfalls Pumpen produziert – und mit ihm 15.000 Zeichnungen. Doch mit der Zeit stellte sich heraus, dass der Zugriff zu kompliziert war. Zudem sind einige fehlerhaft. Sie zu korrigieren gehört ebenso zu Bystrovs Job. Der ist auf ein Jahr beschränkt, soll Ende 2008 abgeschlossen sein. „Da lohnt es sich nicht, jemanden fest einzustellen“, sagt Personalleiter Gerhard Paeseler.

Deshalb kommt die Zeitarbeit mit ihrer Flexibilität zum Zuge: Egal, ob Mitarbeiter plötzlich krank werden oder es zu Auftragsspitzen kommt – die Lücke lässt sich mit Zeitarbeitnehmern unbürokratisch schließen. Und: Sie ist ideal für befristete Tätigkeiten.  

Bewusst für Zeitarbeit entschieden Gunther Frick tüftelt an ei-ner neuen Programmiersprache zur Steuerung von Pumpen. Der 30-Jährige hatte sich nach seinem Ingenieur-Studium bewusst für eine Zeitarbeitsfirma entschieden. „So lerne ich verschiedene Betriebe kennen“,  sagt er. Auch er ist nur zwölf Monate bei ProMinent. Da die Firma (weltweit 2.000 Mitarbeiter) weiter wächst, sei eine spätere Übernahme nicht ausgeschlossen, so Personalchef Paeseler.

Vom Aufschwung profitieren viele Zeitarbeitnehmer. Seit Anfang 2007 stieg die Zahl der festen Mitarbeiter in der Metall- und Elektro-Industrie um mehr als 111.000, viele davon kamen aus der Zeitarbeit. Mittlerweile arbeiten 3,55 Millionen Menschen in der M+E-Industrie, mehr als vor zehn Jahren.

Tanja Gut (37) ist schon fest untergekommen. Bei Halder montiert sie unter anderem Kugelsperrbolzen, die im Flugzeugbau Verwendung finden. Damit  lassen sich Teile schnell verbinden. Ihren gelernten Beruf als Bäckerei-Fachverkäuferin hat sie nach der Familienpause drangegeben: „Hier sind die Arbeitszeiten besser.“ 

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Schlagwörter: Arbeitsmarkt

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