Gesellschaft

„Serefe!“ Bald kommt türkisches Bier aus Dortmund

Investition von 15 Millionen Euro in über 40 neue Arbeitsplätze

Dortmund. Gesucht wird ein Grundstück, 35.000 Quadratmeter groß, nahe der Dortmunder Innenstadt.

Auf der Suche ist Bünyamin Türksoy, Chef der Maksem AG in Lünen. Er will in der Bier-Metropole Dortmund bis zu 15 Millionen Euro in eine neue Brauerei in­vestieren und über 40 Arbeitsplätze schaffen.

„Wir haben es nicht auf den deutschen Biertrinker abgesehen“, sagt Türksoy im Ge­spräch mit AKTIV. „Unsere Zielgruppe sind Türken zwischen 18 und 35 Jahren.“

Der Koran verbietet zwar den Alkoholgenuss, aber 60 Prozent der in Deutschland lebenden Türken haben westliche Werte angenommen. Dazu ge­hört auch das Glas Bier.

Schon heute lässt Türksoy seinen Gerstensaft „Bey“ bei anderen deutschen Brauereien produzieren, etwa 5.000 Hektoliter im Jahr. Die geplante Brau­erei stößt in andere Di­men­sionen vor. 150.000 Hektoliter pro Jahr sollen es schon sein. Ein Teil geht als Export in die Türkei.

Kulturelle Integrationsbrücke

„Wir werden ein mildes Bier brauen, nicht so bitter und we­nig gehopft“, so Türksoy. „Es wird voll nach dem deutschen Reinheitsgebot hergestellt, mit etwas türkischer Seele.“ Hö­herpreisig wird es sein, in der Premiumklasse angesiedelt. Die Pläne des Unternehmers gehen noch weiter.

Eine Erlebnisgastronomie mit Restaurant, Bar und Variete soll an die Brauerei angeschlossen werden. „Eine kulturelle In­tegrationsbrücke zwischen Türken und Deutschen“, sagt Türksoy. Spätestens 2011, so der Plan, steht die Er­öffnung an.

Mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Dortmund gibt es be­reits enge Kontakte. Thomas Ellerkamp, stellvertretender Geschäftsführer: „Wir würden das Unternehmen gerne zu uns holen und sind Herrn Türksoy bei der Suche nach einem Standort behilflich.“ Einige interessante Grundstücke in City-Nähe ge­hören al­lerdings nicht der Stadt. Ellerkamp: „Wir vermitteln gerne zwischen den Eigen­tümern und dem Investor. Dortmund freut sich über je­den neuen Ar­beitsplatz.“

Warum soll ausgerechnet Dortmund der Standort sein? „Bier braucht eine Heimat. Und da ist die Bier-Stadt doch die richtige Adresse. Außerdem wollen wir den Bier-Standort Dortmund erhalten.“

Türksoy ist nicht der einzige türkische Unternehmer bei uns. Insgesamt haben sich hier 60.000 Türken selbstständig ge­macht. Ihre Betriebe bieten 270.000 Arbeitsplätze, jeder dritte ist mit einem Deutschen besetzt.

Info: Der deutsche Biermarkt

1.302 Brauereien mit 30.800 Beschäftigten produzieren hierzulande im Jahr knapp 103 Millionen Hektoliter Gerstensaft, 15 Prozent davon gehen in den Export, fast 6 Millionen Hektoliter kaufen wir jährlich im Ausland.

Jeder Deutsche trinkt – statistisch gesehen – im Jahr 112 Li­ter Bier, das sind zehn Liter weniger als noch 2001.

Die Brauereien erzielen einen Umsatz von 8,2 Milliarden Euro, Vater Staat kassiert 757 Millionen Euro Biersteuer.


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