Deutschland lockt mehr Fachkräfte an

Seit 1. August gelten niedrigere Hürden für hochqualifizierte Einwanderer


Weltweite Werbung: Eine Optik der Startseite des Portals „Make it in Germany“. Repro: IW Medien

Berlin/Köln. Die Bundesbürger müssen länger arbeiten, bis sie in Rente gehen. Der Anteil der Leute ab 60, die tatsächlich in den Betrieben aktiv sind, wird weiter steigen. Frauen beteiligen sich noch stärker am Erwerbsleben. Und leistungsschwache Jugendliche werden noch besser gefördert. All das wird kommen, sagen Ökonomen voraus. Aber all das wird nicht reichen! Zuwanderung tut zusätzlich not – und Deutschland reagiert.

Schon 2025 fehlen drei Millionen Köpfe

Denn unserer alternden Gesellschaft gehen die Leute aus. Das „Erwerbspersonen­potenzial“ wird bis 2050 um über zehn Millionen Menschen sinken, warnt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg; schon 2025 fehlen drei Millionen Köpfe. Einfach, weil es schon seit Jahrzehnten zu wenig Kinder im Lande gibt.

Da es auch in anderen europäischen Ländern nicht viel besser aussieht, hatte die EU 2009 beschlossen, stärker um hochqualifizierte Arbeitskräfte aus „Drittländern“ zu werben – also aus den Staaten, die nicht der EU angehören.

Deutschland hat die entsprechende Richtlinie inzwischen umgesetzt: Seit 1. August gilt die „Blaue Karte“, die Akademikern aus fernen Ländern das Einwandern leichter macht.

Doch was nützen großzügigere Regelungen, wenn die potenziell Betroffenen gar nicht wissen, dass sie nach Deutschland kommen könnten? „Um Erfolg bei der Anwerbung ausländischer Fachkräfte zu haben, muss Deutschland eine echte Willkommenskultur etablieren“, mahnt Professor Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). „Das bedeutet, dass ausländischen Fachkräften auf allen Ebenen besondere Wertschätzung entgegengebracht werden muss – und das beginnt bei der Information über Deutschland als Zuwanderungsland.“

Neues Online-Portal informiert

Diese Information finden potenzielle Einwanderer nun gebündelt im Netz: im Portal „Make it in Germany“ (in etwa: „Mach dein Glück in Deutschland“). Natürlich kann man sich da auch auf Englisch schlaumachen, weitere Sprachen sind angedacht.

Das Portal ist ein Projekt der Bundesministerien für Arbeit und für Wirtschaft sowie der Bundesagentur für Arbeit, das IW Köln kümmert sich um die Inhalte. Gestaltung und Produktion übernahm die Tochterfirma IW Medien, in der auch die Wirtschaftszeitung AKTIV erscheint.

In den ersten vier Wochen haben sich rund 180.000 Besucher auf den Seiten getummelt – die meisten kamen aus Italien. Aber auch in Ländern wie etwa der Ukraine, Indien und Brasilien stießen die Informationen auf Interesse.

Was diesseits der Grenzen zu tun bleibt, hat IW-Chef Hüther jetzt so formuliert: „In der Gesellschaft muss sich die Erkenntnis durchsetzen, dass die deutsche Wirtschaft von Zuwanderung stark profitiert und dass ausländische Fachkräfte willkommen geheißen werden sollten.“

www.make-it-in-germany.com

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Info: Blaue Karte

Die „Blue Card EU“ soll die Zuwanderung Hochqualifizierter aus dem Nicht-EU-Ausland fördern. Um eine deutsche Blaue Karte zu bekommen, muss man in der Regel einen Hochschulabschluss mitbringen und einen Vertrag mit mindestens 44.800 Euro Jahresbrutto (für Ingenieure oder Ärzte genügen knapp 35.000 Euro). Nach 33 Monaten im Job bekommt man dann eine unbefristete Niederlassungserlaubnis (bei guten Deutsch-Kenntnissen schon nach 21 Monaten).

Akademiker können jetzt ein sechsmonatiges Visum für die JobSuche bekommen. Und Nicht-EU-Ausländer haben nach ihrem Abschluss an einer deutschen Uni 18 Monate Zeit, eine Stelle zu finden.

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