Geschäftsklima

Sehnsucht nach dem Aufschwung


Die Erwartungen sind riesig – doch die harten Fakten fehlen noch

München. So plötzlich wie die Aschewolke über Europa hat sich scheinbar auch die

allgemeine Krise in Wohlgefallen aufgelöst. Diesen Eindruck jedenfalls vermittelten Ende April die Schlagzeilen in den großen Tageszeitungen. „Deutsche Wirtschaft im Stimmungshoch“, hieß es da. „Geschäfte boomen trotz Griechen-Angst“. Und: „Wirtschaft in Frühlingslaune“.

So schön es klingt: Das ist bislang nicht mehr als ein Versprechen. AKTIV ging den Schlagzeilen auf den Grund. 

„Günstiger“ will nicht viel heißen

Anlass für die Tschüß-Krise-Artikel war eine Mitteilung des Ifo-Ins­tituts für Wirtschaftsforschung an der Uni München. Es befragt jeden Monat 7000 Unternehmen – die Hälfte aus der Industrie, der Rest aus Bauwirtschaft, Groß- und Einzelhandel. „Das Geschäftsklima hat sich  kräftig verbessert“, lautet der Befund. Besonders beachtlich: Der Index für die „Geschäftserwartungen der Industrie“ kletterte im April auf 105,2, den höchsten Stand seit Januar 2004 (siehe Grafik).

Konkret werden die Firmen gefragt, ob sie für die nächsten sechs Monate ein „günstigeres“, „gleichbleibendes“ oder „ungünstigeres“ Geschäft erwarten. Klaus Abberger, der Koordinator der Ifo-Befragung, betont: „Man muss die Antworten in Kombination mit der aktuellen Lage bewerten.“ Nach dem beispiellosen Absturz will es nicht so viel heißen, wenn jetzt besonders viele Firmen an eine relative Verbesserung glauben. Abberger: „Die Krise ist noch nicht aufgearbeitet.“

Zwar fragt Ifo  auch nach der Lage – aber nicht nach dem exakten Niveau. Man kann nur „gut“, „befriedigend“ oder „schlecht“ ankreuzen. Amtliche Zahlen zur tatsächlichen Produktion kommen erst zwei Monate später. 

Im Januar und Februar 2010 produzierte die Industrie immer noch 18 Prozent weniger als im Schnitt des ersten Halbjahres 2008 – dem Niveau vor der Krise, die dann im September mit der Pleite der US-Großbank Lehman Brothers losging.

Kampf gegen Krise geht weiter

„Der Aufschwung muss erst noch durch harte Fakten belegt werden“, folgert Michael Stahl, Chefvolkswirt des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall.  Seine Branche, die besonders gebeutelte Metall- und Elektro-Industrie, müsste die Februar-Produktion um 29 Prozent steigern, um den Vorkrisenstand zu erreichen.

So passt es also doch ins Bild, dass es in der gesamten Wirtschaft zuletzt noch fast 900.000 Kurzarbeiter gab. Und dass die Regierung weiter die Krise bekämpft: Soeben hat sie die Sonderregelung, wonach Kurzarbeitergeld ab dem 7. Monat komplett sozialabgabenfrei ist, bis März 2012 verlängert.

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