Hightech vor den Augen

Sehhilfen sind ein Milliarden-Markt – und werden immer raffinierter

Köln. Diese Brille macht alles mit: Ob Drehen, Biegen oder Knicken – sie bricht nicht! Das liegt an einer speziellen Kunststoffmischung der Firma Gloryfy. Der Hersteller aus Österreich bietet seine Produkte natürlich auch bei uns an: Denn der Markt ist riesig.

Zwei Drittel der Deutschen über 15 tragen Brille, wie Allensbach-Umfragen zeigen – und kaufen immer mal wieder eine neue. Allein 2015 gingen mehr als zwölf Millionen Exemplare über die Ladentische, die Augenoptiker-Branche meldete 5,8 Milliarden Euro Umsatz mit Brillen, Kontaktlinsen und Co.

Nachschub produzieren allein hierzulande knapp 150 Firmen mit 21.000 Beschäftigten. Sie haben viel Neues auf der Pfanne. Einige spannende Beispiele:

Die Autofahrer-Brille

Tüftler des Herstellers Zeiss in Aalen (Baden-Württemberg) haben Gläser zum Schutz vor hellen LED- und Xenon-Scheinwerfern entwickelt – die meisten Autofahrer fühlen sich nachts und bei Regen geblendet. „Eine Beschichtung filtert das grelle Blau dieses Lichts teilweise raus und mildert den Blendeffekt“, erklärt Pressesprecher Joachim Kuss. Die alltagstauglichen Gleitsichtgläser haben zudem oben mehr Fläche für den Blick auf die Straße und darunter einen großen Bereich für die Nahsicht auf Tacho und Navi.

Die PC-Brille

Gleitsichtgläser für eine zusätzliche Brille speziell für die Arbeit am PC hat etwa der Münchner Hersteller Rodenstock zu bieten: Der Sichtbereich für nahe und mittlere Distanzen ist groß – man kann auf den Bildschirm gucken, ohne den Kopf zu stark heben zu müssen. Marketing-Expertin Andrea Rappolder: „Ein verspannter Nacken und brennende Augen sind damit Vergangenheit.“ Zudem filtern die Gläser das blaue Display-Licht etwas heraus, damit man abends besser einschlafen kann.

Die Mehrstärken-Kontaktlinse

3,3 Millionen Linsennutzer gibt es im Lande. Für sie interessant sind „multifokale“ Linsen mit ringförmigen Bereichen für Nah-, Mittel- und Fernsicht, die jeweils scharfe Bilder auf die Netzhaut werfen – das Gehirn sucht sich das gewünschte aus. Eine verbesserte Variante gibt es von der Firma Wöhlk in Schönkirchen (bei Kiel): Der Optiker kann sie so anpassen, dass die zentrale Sehzone noch präziser vor der Pupille liegt. Bisher oft auftretende Irritationen sind passé.

Das Maßgestell

Brillengestelle kommen maßgeschneidert aus dem 3-D-Drucker. Dafür misst ein Scanner den Kopf genau aus. Hersteller Mykita (Berlin) bietet solche Gestelle an, ebenso die Firma Framelapp aus dem hessischen Taunusstein. Deren Geschäftsführer Hendrik Wieburg ist überzeugt: „Der 3-D-Druck wird die Optikbranche revolutionieren.“


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