Interview

Seeräuber breiten sich aus


Patrouille: die deutsche Fregatte „Niedersachsen“. Foto: dpa

Mehr Schutz für Schiffe nötig

Von den 266 Handelsschiffen, die im zweiten Quartal überfallen wurden, fuhren 33 unter deutscher Flagge.

Gründe nennt Ralf Nagel, Chef des Verbandes deutscher Reeder.

AKTIV: Deutsche Handelsschiffe sind besonders oft Ziele von Piraten. Warum?

Nagel: Wir haben die drittgrößte Handelsflotte der Welt. Viele unserer Schiffe sind im Indischen Ozean unterwegs. Deshalb besteht schon statistisch eine hohe Wahrscheinlichkeit, getroffen zu werden.

AKTIV: Heißt das, der Schutz durch die Bundesmarine reicht nicht?

Nagel: Wir sind der Marine sehr dankbar. Vor allem im Golf von Aden werden Handelsschiffe jetzt viel besser geschützt.

AKTIV: Aber ...?

Nagel: Mittlerweile haben die Piraten ihr Aktionsgebiet auf den ganzen Indischen Ozean ausgedehnt. Jetzt ist die Situation etwa so, als müssten acht Polizei-Streifenwagen die Sicherheit in ganz Europa gewährleisten.

AKTIV: Soll denn jeder deutsche Frachter von einem Kriegsschiff begleitet werden?

Nagel: Nein, das ist unrealistisch. Grundsätzlich legt das Seerechtsübereinkommen aber fest, dass der Schutz vor Piraterie eine hoheitliche Aufgabe ist. Andere Staaten schützen ihre Handelsschiffe direkter. Franzosen, Spanier, Amerikaner und Japaner schicken bewaffnete Teams an Bord.

AKTIV: Das Verteidigungsministerium sagt, dafür fehle das Personal.

Nagel: Deshalb muss es die zweitbeste Lösung geben: Der Einsatz privater Sicherheitsdienste. Mit der Politik besteht darüber Einigkeit, dass jetzt die Rechtsgrundlage dafür geschaffen wird.

AKTIV: Was sollen das für Sicherheitsleute sein?

Nagel: Sie müssen von zertifizierten Unternehmen kommen, sozusagen mit einem TÜV-Siegel.

AKTIV: Sind auf den Handelsschiffen eigentlich auch die Besatzungen bewaffnet?

Nagel: Nein, auf gar keinen Fall.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang