Demografie

Sechs Rentner auf ein Kind


Pirmasens überaltert, Senioren haben das Kommando

Pirmasens ist die ehemalige Schuhmetropole, das Zentrum der Südwestpfalz und auch Tor zum Naturpark Pfälzerwald. Hier leben 45.000 Menschen. Und sie sind ihrer Zeit voraus – leider. Denn was Deutschland laut Berechnungen des Statistischen Bundesamts bis 2030 blüht, ist hier bereits Realität: Die Stadt vergreist. Das Ortsbild dominieren Rentner, es gibt kaum Kinder, das Durchschnittsalter ist hoch, die Einwohnerzahl nimmt rapide ab.

„Gesundheits-Check mit Blutzucker, Cholesterin und Harnsäure. Komplett nur ganze 7 Euro“ wirbt die Löwen-Apotheke in der Fußgängerzone. Das Reisebüro lockt mit gemütlichen Flussfahrten auf der Donau und der Laden vis-à- vis vom Rathaus, verkündet den „Beginn einer neuen Epoche“: Hörgeräte werden direkt mit Mobiltelefon und MP3-Player verbunden. „Wir sind überproportional vom demografischen Wandel betroffen“, bestätigt Oberbürgermeister Bernhard Matheis.

Senioren größte Bevölkerungsgruppe

Schon heute stellen die über 65-Jährigen mit satten 19 Prozent die größte Bevölkerungsgruppe in Pirmasens. Kinder unter sechs Jahren machen gerade mal 3 Prozent aus. Auf sechs Senioren kommt damit nur ein kleines Kind. Bis zum Jahr 2050, so die Prognose, schrumpft die Bevölkerung der Stadt um ein Drittel auf 26.400 – der größte Rückgang landesweit.

Mit guten Jobs die Jugend locken

Das will das Stadtoberhaupt nicht tatenlos hinnehmen: „Wir sichern attraktive Arbeitsplätze am Ort und bieten allen eine hohe Lebensqualität. Das soll junge Leute nach Pirmasens locken“, sagt er. Und zählt auf: 500 Jobs beim Schuhhersteller Peter Kaiser, 1.400 bei Fensterprofilbauer Profine, 400 bei Logistikunternehmen PSB, 900 beim Lebensmittelhandel Wasgau. Für die Älteren gibt es Netzwerke, Schulungen, Gesundheitsangebote und bald auch sechs amtlich bestellte Seniorenbegleiter, die zum Beispiel bei Behördengängen oder Arztbesuchen helfen.

Zudem will Matheis die Generationen miteinander verbinden. Durch Projekte wie „Wohnen für Generationen“ oder das Mitmachmuseum „Dynamikum“. Das schicke Science Center eröffnete im April seine Pforten. Die Organisatoren rechnen mit jährlich 80.000 Besuchern: „Die Einrichtung ist ein Besuchermagnet für Jung und Alt“, schwärmt Matheis, der damit den Tourismus ankurbeln möchte.

Die Überalterung bekommt aber nicht nur Pirmasens, sondern ganz Rheinland-Pfalz bereits zu spüren. Zwar stellen in den Betrieben noch die 35- bis 49-Jährigen die größte Altersgruppe. Doch schon im Jahr 2020 werden es die 50- bis 64-Jährigen sein. Da müssen sich die Unternehmen auf eine dramatisch veränderte Personalstruktur einstellen. Die Volkshochschule in Pirmasens hat es bereits getan: Sie bietet speziell für Senioren maßgeschneiderte EDV-Seminare an, Handy-Kurse „Mobil telefonieren“ und „Fitness im besten Alter“.

Info: Bevölkerungsprognose für Rheinland-Pfalz

Experten des Statistischen Landesamtes haben die Entwicklung der rheinland-pfälzischen Bevölkerung bis 2050 vorausberechnet. Setzt sich der derzeitige Trend fort, dann werden ...

  • ... langfristig alle Bevölkerungszahlen in allen Regionen sinken
        (Abnahme bis eine Million).
  • ... in Mainz-Bingen nur 4 Prozent weniger Menschen leben, in Pirmasens dagegen  
        34 Prozent verschwinden.
  • ... die Kindergartenkinder im Landesdurchschnitt zahlenmäßig um 43 Prozent
        abnehmen.
  • ... in den Kindergärten im Landkreis Südwestpfalz mehr als die Hälfte der Kinder fehlen 
        (minus 52 Prozent).
  • ... die Alten im Lande im Schnitt zahlenmäßig um 47 Prozent zunehmen.
  • ... sich die Senioren im Landkreis Germesheim mehr als verdoppeln (um 108 Prozent).
  • ... die Pflegebedürftigen um 76 Prozent steigen.
  • ... in Neustadt auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter rund 71 ältere Menschen
        kommen, die keiner Arbeit mehr nachgehen.
  • ... im Land generell 33 Prozent weniger Erwerbsfähige zur Verfügung stehen.
  • ... die meisten jungen Leute in Ludwigshafen zu finden sein.

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