Standpunkt

Schwarz-gelbe Streikposten

Der Freiflug von Frank Bsirske – und das seltsame Echo

Aus gewerkschaftlicher Sicht dürfte an dem viel diskutierten Freiflug von Verdi-Chef Frank Bsirske, erste Klasse nach Los Angeles, nicht viel zu mäkeln sein. Dass ihr Vorsitzender als Aufsichtsrat dieselben Schmankerln nascht wie die Vertreter der Kapital-Seite, hier eben bei der Lufthansa, das werden die organisierten Werktätigen schon genehmigen. Er ist „einer von ihnen“. Und auf Betriebsversammlungen dürfen sie von ihm als dem „Kollegen“ Bsirske sprechen.

Wenn so einer sich über den Wolken in den Sessel zurücklehnt, wird er damit nicht zum „Boss“. Er tut das quasi in Wahrnehmung des ihm von ihnen verliehenen Mandats. Und auch der Betriebsratsvorsitzende von Porsche darf den Dienst-Cayenne getrost vorzeigen.

Urkomisch hingegen, was der Fall Bsirske bei manchen Politikern auslöst. Etwa bei CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer:  Einer von denen, „die den moralischen Zeigefinger am höchsten heben“, habe da „ungeniert die Hand aufgehalten“ – und das sei „Verrat“ an den „Anliegen der Mitglieder“.

Da wird uns ein Interessenvertreter ganz subtil als Gewissen der Nation untergejubelt. Das Anliegen der Verdi-Mitglieder ist nicht so sehr, dass Herr Bsirske glaubwürdig den Finger hebt. Sondern dass er dafür sorgt, dass sie die Hand aufhalten können.

Auch andere Politiker offenbaren merkwürdige Verbandelung mit dem Verdi-Innenleben. „Er hat seine Leute während des Arbeitskampfes im Stich gelassen“, jammert verzweifelt ein CSU-Wirtschaftsexperte. Seinen Parteichef Erwin Huber kränkt, dass Bsirske das Vertrauen der Streikposten gebrochen habe. Und FDP-Generalsekretär Dirk Niebel fordert aufgeregt: „Wenn er jetzt nicht zurücktritt, sollten ihm die Gewerkschafter den Stuhl vor die Tür setzen.“ AKTIV schiebt nach: Und dann nehmt ihr euch einen von den Schwarzen oder Gelben! Der kocht den Streikposten den Tee!

Selbst das „Handelsblatt“ verheddert sich. Man solle Extras für Aufsichtsräte generell streichen – „denn auch mit Blick auf die Vertreter der Kapital-Seite hinterlassen sie einen faden Beigeschmack“.

Hat der Kollege wirklich beiderlei Kost abgeschmeckt? Da gibt es nämlich einen feinen Unterschied. Kapital-Vertreter sollen im Aufsichtsrat die Interessen der Eigentümer wahrnehmen, Arbeitnehmer-Vertreter ausdrücklich nicht. Diese auf Kosten der Eigentümer mit Extras zu füttern, schmeckt nach Absicherung für den Fall, dass das Management Verbündete gegen Eigentümer brauchen sollte.


Artikelfunktionen


Schlagwörter: Politik

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang