Landwirtschaft

Schutz für zarte Triebe


Wie Forscher unser Gemüse vor Schädlingen bewahren

Frankfurt. Mmmh, endlich sprießt er wieder: köstlicher Spargel! Durch den kalten Winter und das warme Frühlingswetter ist er besonders gut und hat viel Kraft. Doch nicht nur wir haben großen Appetit auf das königliche Gemüse. Auch Insekten und Pilze haben es auf die weißen Stangen abgesehen.

Spargelbauer Peter Merlau aus Darmstadt kann ein Lied davon singen: „Im Frühjahr sind die Jungpflanzungen durch Insekten gefährdet“, berichtet er. Im April legt die gefürchtete Spargelfliege ihre Eier in die jungen Triebe. Ihre Larven ernähren sich vom Spargelgewebe, die Triebe sterben bald ab.

Bei den älteren Kulturen sind Sommer und Herbst die kritischen Zeiten: „Nach der Ernte droht dem Laub Pilzbefall“, so der Landwirt. Deshalb kontrolliert er die Anlagen engmaschig. Nur von gesunden Pflanzen lassen sich auf seinen 80 Hektar rund 350 Tonnen Spargel ernten.

150.000 Tests für einen Treffer

Wird der Befall zu stark, kommt die Chemie ins Spiel. So haben etwa Wissenschaftler beim Pflanzenschutz-Spezialisten Syngenta in Maintal einen Wirkstoff (Lambda-Cyhalothrin) entwickelt, der gegen beißende und saugende Insekten hilft. „Dieser ist in Mikrokapseln eingeschlossen“, sagt Börges Meyer, Fachberater für Spezialkulturen. „Er wird erst frei, sobald die Kapseln auf der Pflanzenoberfläche liegen.“ Das Mittel unterbricht die Nervenleitungen des Schädlings und vernichtet ihn.

Zudem hat es eine abschreckende Wirkung auf andere Insekten (Repellent-Effekt): „Die Substanz reizt die taktilen Elemente in den Extremitäten“, erklärt der Fachmann, „wir nennen es auch den Fuß-Rückzieh-Effekt.“

Mehr noch fürchten Spargelbauer jedoch die Blattkrankheit Stemphylium. Ein Pilz führt zum Abwerfen der Nadeln, wie der Fachmann die Spargelblätter nennt. „Über das Laub bildet der Spargel Reserve-Kohlenhydrate und lagert sie in den Speicherwurzeln ein“, führt Meyer aus. Den Vorrat benötigt die überwiegend unterirdisch wachsende Pflanze im folgenden Frühjahr.

Der Pilz lässt sich jedoch mithilfe von Fungiziden stoppen: Die Wirkstoffe greifen in seinen Stoffwechsel ein und lassen ihn zusammenbrechen. So können kräftige Spargelstangen im nächsten Jahr ungehindert nachwachsen.

Um die passenden Produkte zu entwickeln, braucht es allerdings viel Zeit und Know-how. „Im Grunde soll ein Mittel ganz spezifisch auf einen Schaderreger wirken, möglichst ohne Einflüsse auf andere Organismen“, berichtet Meyer. Damit seien die Anforderungen höher als in der Humanmedizin.

Am Ende müssen bis zu 150.000 Substanzen geprüft werden (Screening), um einen passenden Wirkstoff zu finden. „Bis das fertige Produkt in den Regalen liegt, vergehen mindestens zehn Jahre“, so der Experte.

Info: Das königliche Gemüse

Hessen ist mit 1.800 Hektar das fünftgrößte Spargelanbaugebiet Deutschlands (auf Platz eins liegt Niedersachsen mit 4.000 Hektar). Bundesweit ernteten die Bauern in der letzten Saison auf 23.000 Hektar die Rekordmenge von 103.000 Tonnen. Im Schnitt kaufte jeder private Haushalt 1.940 Gramm, 7 Prozent mehr als im Jahr zuvor, so die Marktforschungsgruppe GfK in Nürnberg. Die Spargel-Hochsaison beginnt Ende April, am 24. Juni (Johannistag) ist Ernteschluss.

 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang