Klamme Kommunen

Schuldenmeer: Eine Stadt sieht Land


Daniel Zimmermann will seine Stadt in eine schuldenfreie Zukunft führen. Das Konzept „Hauptstadt des Kindes“, mit Service von Geburt bis Ausbildung, hat er von seinem Vorgänger übernommen. Foto: Roth

Wie Jung-Bürgermeister Daniel Zimmermann (27) seinen Haushalt saniert

Monheim. Städte in Not: In diesem Jahr droht den Gemeinden ein Rekorddefizit von 12 Milliarden Euro, dazu 10 Prozent weniger Steuereinnahmen – die Kommunen stehen vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Die kleine Stadt Monheim bei Köln bildet da keine Ausnahme.

Was sie besonders macht: An ihrer Spitze steht mit Daniel Zimmermann ein Bürgermeister, der erst 27 Jahre alt ist. Und dem fällt es besonders schwer, Schulden zu machen. Denn seine Generation wird sie zurückzahlen müssen.

Stiefmütterchen sind gestrichen

Bis 2016 sieht es finanziell düster für Monheim aus. „Wir haben 20 Millionen Euro Schulden, unsere Ausgleichsrücklagen sind aufgebraucht“, erklärt Zimmermann.

Er ist der jüngste Bürgermeister in Nordrhein-Westfalen und einer der jüngsten bundesweit. Auch nach etwas über 100 Tagen im Amt wirkt er nicht entmutigt. Privat kenne er das nicht – Schulden machen. „Ich habe noch nicht einmal meine Waschmaschine auf Raten gekauft“, gesteht Zimmermann. Als Stadtoberhaupt muss er sparen, wo es kaum etwas zu sparen gibt. Also geht der Mann, der 2009 als Kandidat der Jugendpartei Peto (lateinisch: „ich fordere“) überraschend ins Bürgermeisteramt gewählt wurde, den Weg der kleinen Schritte.

Mit einem neuen Sparpaket sollen 500.000 Euro mehr im Säckel bleiben. Dem Rotstift zum Opfer fallen Narzissen und Stiefmütterchen – Saisonbepflanzung gibt’s nicht mehr. Macht 25.000 Euro Plus. Sportvereine sollen sich an den Energiekosten der Hallen beteiligen. Noch einmal 45.000 Euro.

Das Jugendamt muss seine Sachkosten um 10 Prozent senken, das Bürgerbüro seine Öffnungszeiten. Dazu kommt eine Grundsteuererhöhung. Mühsam ernährt sich das Monheimer Eichhörnchen. Zu mühsam, wie Zimmermanns Kritiker finden.

Doch der hat Vorbilder wie die Nachbargemeinde Langenfeld, seit 2008 schuldenfrei. Die Straßen von den Bürgern fegen lassen, wie sie es in Langenfeld machen, das will Zimmermann nicht. Eigenverantwortung stärken schon.

Er fängt bei sich an. In seinem kahlen Büro deutet er auf drei Fikus-Bäume. „Für deren Pflege wird extra jemand bezahlt“, moniert er und schüttelt den Kopf. „Ich kann auch selber die Gießkanne schwingen.“ Dieses Zupacken haben sich die Wähler von ihrem jungen Bürgermeister gewünscht. Wenn es ihm auch nicht jeder gleich ansieht.

Auf der Messe Expo Real in München hat man ihn kürzlich für einen Praktikanten aus der Wirtschaftsförderung gehalten. Zimmermann kann darüber  lachen.

Sehnsucht nach Studentenleben

Vor zehn Jahren hat er Peto mitgegründet, saß fünf Jahre im Stadtrat. „Ich bin nicht planlos von der Uni ins Bürgermeisteramt gekommen“, sagt er. Die Universität vermisst er manchmal. Seine Freundin Jana (21) erzählt ihm am Wochenende vom Campusleben – und er ihr von der Kommunalpolitik.

Der will Zimmermann treu bleiben – trotz aller Probleme. Berlin? Ist ihm schnuppe. Eine zweite Amtszeit in Monheim dagegen nicht. „Den Weg aus den Schulden will ich schließlich so lang wie möglich mitgehen.“

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