Volksabstimmung steht bevor

Schottland als eigener Staat – wirtschaftlich eine gute Idee?

Nationalstolz: Kürzlich gedachten die Schotten der Schlacht von Bannockburn anno 1314. Foto: Getty

Glasgow. So mächtig waren ganz normale Bürger schon lange nicht mehr: Mitte September dürfen die Schotten per Volksabstimmung entscheiden, ob Schottland 2016 ein eigener Staat wird.

Sagen sie Ja, verliert Großbritannien ein Drittel seiner Fläche – aber nur ein knappes Zehntel seiner Bevölkerung wie auch seiner Wirtschaftsleistung. Denn der Norden ist vergleichsweise dünn besiedelt. Rund 5,3 Millionen Schotten gibt es, das sind ähnlich viele Einwohner wie in Finnland oder der Slowakei, aber weniger als in Hessen oder Niedersachsen.

Eine Abspaltung des Landesteils, der formal seit 1707 zum Königreich gehört, würde jedenfalls die britische Stellung in der EU schwächen. Und das könnte aus Sicht von Ökonomen indirekt negativ auch für die deutsche Wirtschaft werden – schließlich ist England traditionell weltoffen, liberal und für möglichst freien Handel.

Die Schotten wiederum sollten sich nach Meinung ihres Regierungschefs Alex Salmond, der auch die Unabhängigkeitsbewegung anführt, künftig noch mehr Wohlfahrtsstaat gönnen! Bezahlen ließe sich das mit den Steuern aufs Nordsee-Öl, so die Theorie. Denn die britischen Öl-Reserven liegen fast alle in schottischen Gewässern.

Allerdings dürfte die Förderung dort in ein paar Jahrzehnten auslaufen. Und ob die heute möglichen Einnahmen durchs schwarze Gold tatsächlich höher wären als die innerbritischen Transfers, die derzeit nach Norden fließen? Daran haben Experten etwa der University of Glasgow massive Zweifel.

Vom Pfund müssten sich die Schotten wohl verabschieden

Als eigener Staat müsste sich Schottland wohl vom Pfund als Währung verabschieden. Der EU möchte Salmond weiterhin angehören, aber nicht den Euro einführen. Ob das klappen kann, ist offen. Ebenso, welchen Anteil der britischen Staatsschulden denn das neue Land übernehmen würde.

Übrigens sind die Schotten vergleichsweise alt; der demografische Wandel dürfte sie noch härter treffen als England insgesamt. Ökonomisch könnte es für einen neuen Staat also bald ein böses Erwachen geben – das prägt bisher auch die Debatte. In Umfragen Mitte August lagen die Befürworter der Unabhängigkeit mit rund 40 Prozent klar hinter den Gegnern zurück. Auch diese kamen aber nicht über 50 Prozent. Und deutlich mehr als ein Zehntel der Befragten hatte sich noch nicht entschieden.


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