Leitartikel

Schöpferische Zerstörung

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

47 Milliarden Euro! So hoch wird nach der jüngsten Finanzierungsrunde nun der Taxi-Schreck Uber bewertet – die junge Internetfirma, die per App Fahrer und Fahrgäste zusammenbringt. Sie ist damit teurer als 21 der 30 größten börsennotierten Konzerne in Deutschland.

Und es gibt weitere Beispiele in vielen Branchen. Wir erleben, in den Worten von Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn, einen Überfall der Kreativen auf tradierte Strukturen: „Die Welt ist plötzlich voller Start-up-Unternehmen. Das Tempo ist exponenziell. Und die Gesellschaft kommt langsamer voran als die Technologie – das wird eine Herausforderung für Politik und Wirtschaft.“

Zwei von drei deutschen Großunternehmen treibt die akute Sorge um, dass dies ihr Geschäftsmodell aufbricht. Und die von Uber bewirkte Diskussion über Taxi-Vorschriften lässt ahnen, dass auch der Obrigkeitsstaat auf breiter Front unter Druck gerät: Wenn schlechte Anbieter blitzschnell im Internet markiert sind – wird dann in Zukunft vielleicht nicht nur der Personenbeförderungsschein hinterfragt? Und was folgt, wenn Uber die Personen mit fahrerlosen Autos befördert?

Letztlich sind es der mobile Datenverkehr und schnelle Chips, die jetzt die Welt verändern. Eine solche „schöpferische Zerstörung“ ist im Prinzip nichts Neues, schrieb schon 1942 der berühmte österreichisch-deutsch-amerikanische Ökonom Joseph Schumpeter: Sie kommt „in unsteten Stößen“, als „Prozess einer industriellen Mutation, der die Wirtschaftsstruktur von innen revolutioniert“.

Für die wissensbasierte deutsche Wirtschaft ist das mehr Chance als Gefahr. Vorausgesetzt allerdings: Keiner denkt, es kann alles bleiben wie gehabt!


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