Tipp der Woche

Schneller durch Europa


Warum die Banken uns jetzt so viel Kleingedrucktes schicken

Brüssel. Vorige Woche ein fetter Brief mit Kleingedrucktem von der Bank. Gestern einer von der Sparkasse. Dazwischen noch ein seltsames Schreiben von der GEZ: Was geht da ei-gentlich ab? Ganz einfach: Der 31. Oktober wirft seine Schatten voraus. Denn am Monatsende ändert sich der Zahlungsverkehr in Europa.

Das Ziel: Ein Konto soll für Geschäfte in allen Staaten genügen. Dafür braucht es einheitliche Verfahren. Und der grenzüberschreitende Geldverkehr muss schneller werden.

Vorsicht beim Überweisen

Die „Zahlungsdienste-Richtlinie“ der EU, die jetzt umgesetzt wird, macht ehrgeizige Vorgaben: „Ab 2012 müssen alle Zahlungsaufträge in Euro innerhalb eines Geschäftstages ausgeführt werden“, so das Justizministerium, „bis dahin kann eine dreitägige Ausführungsfrist vereinbart werden.“

Weil die Banken schneller arbeiten müssen, dürfen sie zum einen bei Überweisungen den Namen des Empfängers ignorieren, wie der Bankenverband mitteilt. Es kommt künftig nur noch auf die „Kundenkennungen“ an – also auf Kontonummer und Bankleitzahl.

Zum anderen kann man einen Zahlungsauftrag nach Eingang bei der Bank nicht mehr widerrufen. Das birgt Tücken: Wer beim Online-Banking eine falsche Kontonummer eingetippt hat, kann das Geld nur noch vom irrtümlich beglückten Empfänger zurückfordern.

Wer ins Ausland überweist, kann nun aber sicher sein, dass der volle Betrag ankommt: Unterwegs dürfen keine Gebühren abgezogen werden.

Eine ganz neue Zahlungsvariante soll Abbuchungen über Grenzen hinweg möglich machen: die SEPA-Lastschrift. Sie könnte womöglich auf Dauer die bisher bei uns üblichen Einzugsverfahren ablösen.

Noch ist es aber längst nicht so weit, wie der Einzelhandelsverband HDE betont: „Bezahlen mit Karte und Unterschrift im Geschäft bleibt weiterhin möglich.“

GEZ sammelt Unterschriften

Ganz anders reagiert die GEZ, die Einzugszentrale für Rundfunkgebühren: Sie hat gut 13 Millionen Briefe an Gebührenzahler verschickt, von denen sie keine Unterschrift in der Akte hat. Das müsse sie nachholen, so die GEZ, weil nach den „zu erwartenden“ SEPA-Lastschrift-Regeln „zum Beispiel telefonisch erteilte Einzugsermächtigungen nicht mehr nutzbar sein werden“.

Denkbar also, dass schon bald noch mehr Kleingedrucktes im Briefkasten landet: Falls nämlich auch Versicherungen, Energieversorger, Telefondienstleister & Co. auf die neue Lastschrift-Form umstellen. Einen Stichtag dafür gibt es bisher aber nicht.

Info: Auszahlung im Supermarkt

Der nächste Geldautomat ist zu weit weg? Dann gehen Sie doch einkaufen! In bundesweit knapp 5.000 Rewe- und Penny-Märkten kann bis zu 200 Euro abheben, wer für mindestens 25 Euro einkauft und per EC-Karte bezahlt. Dieser Service ist gratis – und soll es nach Auskunft der Rewe-Zentrale auch bleiben.

Auch beim Tanken lässt sich Geld zapfen: Shell rüstet gerade in Kooperation mit der Postbank 1.300 Tankstellen so um, dass man an der Kasse abheben kann. Kunden anderer Banken sollen das neue Angebot ebenfalls nutzen dürfen.

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