Nano-Technologie

Schnell, sicher, sauber


So formen winzige Teilchen das Auto von morgen

Darmstadt. Regen perlt an Autoscheiben einfach ab, Reifen haften besser, Lack reinigt sich selbst und repariert auch noch kleine Kratzer. Das alles funktioniert dank Nanotechnologie.

Allerwinzigste Teilchen verleihen den Werkstoffen neue Eigenschaften und machen Fahrzeuge schneller, umweltfreundlicher und sicherer. Auf Einladung des TÜV Hessen informieren sich im Mai Experten auf dem Kongress „Nano Automotive“ in Darmstadt über den Stand der Forschung.

Das Auto der Zukunft reagiert intelligent auf Umweltreize: Scheiben und Spiegel passen sich zum Beispiel den äußeren Lichtverhältnissen an. Elektrisch betriebene Geräte wie Lüftung oder Klima-Anlage beziehen ihren Strom aus Sonnen-Energie: „Auf der Karosserie sitzen flache, hochflexible Farbstoffsolarzellen“, erklärt Kongress-Organisator Thorsten Ralle. Was es noch gibt:

Weniger Schadstoffe

Autoabgas-Katalysatoren wandeln Schadstoffe in harmlose Gase um. Beim Benziner reicht bekanntlich der geregelte Drei-Wege-Kat, Direkteinspritzer benötigen noch eine Abgas-Nachbehandlung.

Beim Diesel dagegen kommt ein System aus Katalysatoren und Partikelfilter zum Einsatz – mit Nanotechnologie. Jürgen Gieshoff, Abgas-Spezialist beim Konzern Umicore in Hanau: „Es ist eine große Herausforderung, die winzigen katalytisch aktiven Partikel im Auto unter verschiedenen   Bedingungen stabil zu halten.“

Doch die Mühe lohnt sich: „Wir können wertvolle Trägermaterialien wie Platin, Palladium oder Rhodium viel besser nutzen“, weiß Marc Grynberg, weltweiter  Leiter  Autoabgaskatalysatoren. Das Ergebnis: Dank der nanokleinen Edelmetalle verringert sich der Ausstoß an Abgasen um mehr als 90 Prozent.

Mehr Fahrkomfort

Weniger Schwingung, Vibration und Lärm im Wagen, noch leichtere und zuverlässigere Fahrzeuge –  das ist das Ziel der sogenannten Elektronischen Regelungstechnik („Adaptronik“). Die Forscher können heute mechanische Eigenschaften wie Dämpfungsverhalten oder Steifigkeit per Software künstlich ändern.

Professor Holger Hanselka, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit in Darmstadt, erklärt es so: „Jeder Stoff verändert sich bei Belastung; Adaptronik kann solche Vorgänge beeinflussen und dem Material quasi mitteilen, wie es reagieren soll.“

Nanomaterialien sind dabei sehr hilfreich. So passen sich zum Beispiel Folien aus Piezofasern von selbst den Umgebungsbedingungen an und dämpfen die Schwingungen eines Autodachs während der Fahrt.

Batterien ausreizen

„Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mit Hilfe der Nanotechnologie noch mehr Antworten auf Zukunftsfra-gen finden können – wie zum Beispiel die nach dem möglichst effizienten Einsatz von Energie“, sagt Markus Pridöhl, Nano-Experte von Evonik Degussa aus Hanau.

Eine mögliche Antwort hat der Chemiekonzern bereits entwickelt: Eine flexible keramische Membran. Pridöhl: „Sie macht Lithium-Ionen-Batterien für größere Anwendungen wie im Auto sicherer und leistungsfähiger und trägt so zur Verbreitung von Benzin sparenden Hybridfahrzeugen bei.“

www.nano-automotive.de

 

 

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Schlagwörter: Innovationen

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