Straßenbau

Schluss mit den Holperpisten


Fahrbahnen lassen sich dank raffinierter Methoden rasch sanieren

Ludwigshafen. „Achtung Fahrbahn-Sanierung!“ Autofahrer ärgern sich, wenn eine Spur gesperrt ist – und befürchten tagelange Engpässe. Doch die Reparaturtrupps werden immer schneller.

Der Asphalt, den sie in ihren Spezialmaschinen mitführen, lässt sich kalt verarbeiten, da er Bitumenemulsion enthält. Das Chemie-Unternehmen Raschig in Ludwigshafen produziert im Jahr mehrere Tausend Tonnen dieser dunkelbraunen Flüssigkeit und liefert sie an Kunden in ganz Europa.

Vorarbeiter Silvio Schimmelpfennig ist derzeit mit der Wartung der Produktionsanlagen beschäftigt. „Bald starten wir in die Saison“, sagt er. Die beste Zeit für Straßensanierungen ist zwischen Ostern und Oktober, wenn die Temperaturen meist konstant über null liegen. Am Tag verlassen dann bis zu sechs Laster das Werk.

Viel Zeit und Energie sparen

Bitumen basiert auf Erdöl und ist das klassische Bindemittel im Straßenbau. Bei normaler Temperatur ist es hart. Um den Stoff auf der Baustelle verarbeiten zu können, wird er deshalb üblicherweise heiß auf die Straße transportiert und heiß verarbeitet.

Doch das kostet viel Energie und belastet die Umwelt. Dieses Problem haben die Chemie-Experten aus Ludwigshafen gelöst: Das wasser-unlösliche Bitumen wird mithilfe sogenannter Emulgatoren (Hilfsstoffe) in Wasser fein verteilt. Das Ergebnis nennt sich deshalb Bitumenemulsion.

„Sie sieht aus wie Kaffee“, beschreibt Pascal Döhr, Betriebsleiter der Sparte Straßenbau. Die Emulsion bleibt auch nach dem Abkühlen flüssig. Sie kann ohne Hitzezufuhr gelagert, transportiert und verarbeitet werden.

In einer fahrbaren Maschine wird sie vor Ort mit Split, Sand und Zement zu Asphalt gemischt. Einmal aufgetragen, trocknet das Ganze im Gegensatz zur heißen Variante in kurzer Zeit aus. Autos können nach etwa 20 Minuten wieder drüberrollen.

Döhr zeigt im Labor, was draußen passiert: Er rührt die matschige Masse an und kippt sie auf ein Papier. Sofort bilden sich Bläschen an der Oberfläche. Minuten später ist die „Pfütze“ hart.

Warum? Sobald die Emulsion das Gestein berührt, verliert der Emulgator seine Wirkung. „Die Emulsion bricht“, sagt der Fachmann. Das Bitumen ummantelt die Körner und härtet aus. Das Wasser wiederum verdunstet.

Neuer Belag statt Flicken-Teppich

Spezielle Zusätze in der Emulsion erhöhen später die Haftfähigkeit und Elastizität des Asphalts. Naturkautschuke machen den Belag flexibler bei Kälte und standfester bei Wärme.

Die orangenen Kolonnen von Possehl Spezialbau in Sprendlingen erneuern Straßen und Autobahnen in ganz Deutschland. „Mit der Kalt-Bauweise schaffen wir mehrere Kilometer am Tag“, sagt Niederlassungsleiter Michael Dirschedl.

Viele Hunderttausend Quad-ratmeter Straße repariert die Firma so im Jahr. Häufig sind es Risse, Schlaglöcher und poröse Oberflächen, die großflächig ausgebessert werden. „Das reine Flicken von Schlaglöchern bringt auf lange Sicht nichts“, so Dirschedl. Erst der neue Belag versiegelt die Oberfläche.

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